Queensryche @ Joachim Kling (1)QUEENSRYCHE
BEST-OF-BREITSEITE AUF HÖCHSTEM NIVEAU

Die Seattle-Rocker Queensrÿche wollten klarstellen, dass sie die Besitzansprüche am Bandnamen musikalisch besser vertreten als Ex-Sirene Geoff Tate, mit dem man bekanntermaßen einen Rechtsstreit über Namen, Songs etc. führt. Aber ist es dann wirklich von Nöten, dass man vier (!!!) Vorbands bei diesen Shows platzierte? Immerhin mussten so ca. 450 Fans in der Rockfabrik einen musikalischen Metal-Rundumschlag in Form von Vanish (sturer Teutonen- Metal), Ivanhoe (angeproggter Heavy Metal), Alpha Tiger (souveräner, erfrischender Achtziger-Metal) sowie Freedom Call (melodischer Metal) erdulden. Doch Queensrÿche ließen sich nicht lumpen. Schon der Einstieg nahm einem schlicht den Atem: ein furioses, knalliges ›Queen Of The Reich‹. Bekanntermaßen einer der fundamentalen Songs der Band, der für den späteren Erfolg der Truppe steht. Fast ansatzlos übergehend in ›Speak‹ und ein direkt angedocktes ›Walk In The Shadows‹. Man hatte die Fans umgehend auf sei- ner Seite, diese Triple Attack ließ keine Zweifel: Die Band war heiß! Spielsicher und enorm druckvoll lieferten die Amis eine Art Best-Of Set, bei dem zwar aufgrund lediglich 90 Minuten Spielzeit noch Wünsche offen blieben, aber diese eineinhalb Stunden nutzten Queensrÿche mit einer tollen Performance aus. Allen voran Ex-Crimson-Glory-Sänger und Neuzugang Todd La Torre, der nicht nur gesanglich Überragendes leistete, sondern auch durch eine positive Ausstrahlung den Gesamteindruck des Quintetts enorm anhob. La Torres Gesangsperformance war das eigentlich Unglaubliche an diesem Abend, das einen Mr. Tate schnell vergessen ließ. Gerade sehr altes Material in Form von ›Child Of Fire‹, ›Roads Of Madness‹ und ›The Warning‹ ist die Stärke der Band, dementsprechend massiv und druckvoll wurde dies wiedergeben. La Torre ackerte und bewegte sich unablässig auf der Bühne zwischen den Gitarristen, die ihm den ganzen Bühnenraum überließen. Vom aktuellen, selbstbetitelten Album lieferte man vier Songs am Stück in der Mitte des Sets, die leider etwas die Stimmung drückten, obwohl sie musikalisch ebenfalls anspruchsvoll sind. Aber die wahren Höhepunkte waren neben den schon erwähnten Klassikern weitere Knaller wie ›The Needle Lies‹, ›Empire‹, ›Jet City Woman‹ sowie ein unfassbar krachendes und showschließendes ›Take Hold Of The Flame‹. Eine grandiose Zeitreise durch die frühe Diskografie Queensrÿches, bei der man bewusst nur auf die genreprägenden Alben setzte. Und genau das wollten die Fans hören.

Text:
Jürgen Tschamler

THE QUIREBOYS
WO WAREN DENN ALLE?

The Quireboys haben es an diesem Montag in der Frankenmetropole nicht einfach: Erst springt ihre Vorgruppe Hollywood Burnouts einfach so und ohne offizielle Absage von der Show ab und zusätzlich offenbart sich ein Problem, das viele Konzerte zum Wochenstart in Nürnberg mit sich bringen: das Fernbleiben der Rock‘n‘Roller. Mit circa 100 Fans ist der Hirsch nur zu einem Achtel gefüllt. Umso mehr muss Gitarrist Guy Griffin & Co. der Einsatz an diesem Abend angerechnet werden, denn aufgrund dieser Umstände bekommt das anwesende Publikum quasi eine Privatshow der englischen Edelrocker. Mit einem stetigen Lächeln und ohne Alkohol, sondern mit einem Wässerchen bewaffnet, begrüßt Spike er hat tatsächlich dem Rot- wein abgeschworen seine Gäste. Überlange und überschwängliche Ansagen schenkt sich der Gentleman aus London er geht an diesem Abend lieber nach dem Aerosmith‘schen Prinzip der Toxic Twins vor: „Let The Music Do The Talking!“ Mit einer famos zusammengestellten Setlist aus allen Epochen (mit Hauptaugenmerk auf den neuesten Streich BEAUTIFUL CURSE) der Quireboys bleiben keine Wünsche offen. Der zeitlose Rock, den die Band seit ihrem Debüt A LITTLE BIT OF WHAT YOU FANCY so geschmackvoll auf die Bretter zaubert, hätte es wirklich verdient, von Tausenden in einer Arena gehört zu werden. Als Spike urplötzlich wieder das Nichterscheinen seines Support Acts einfällt, lässt er sich doch zu einer verschmitzten, mit englischem Sarkasmus versetzten Aussage hinreisen: „Who were they?! The Hollywood Somethings? We are The Quireboys and this is Rock‘n‘Roll!“ Der charismatische Sänger erntet dafür tosenden Applaus und lässt mit einem feinen Zugabenblock den mehr als gelungenen Konzertabend ausklingen.

Text:
Chris Franzkowiak