RMC3nROCK MEETS CLASSIC
SAP Arena, Mannheim

Gitarren, Geigen, Greatest Hits

Paul Rodgers (Free, Bad Company und kurzfristig Queen), Eric Bazilian (The Hooters), Steve Augeri (Journey), Chris Thompson (Manfred Mann’s Earth Band), Bonnie Tyler – allesamt prominente Namen, mit deren Hilfe die nach der Wiederbelebung im Jahre 2010 dritte Ausgabe von Rock Meets Classic zum Erlebnis wurde. Wie schon die Jahre zuvor war auch diesmal das Bohemian Symphony Orchestra Prague im Verbund mit der Mat Sinner Band für das musikalische Grundgerüst verantwortlich, auf dem sich die zuvor erwähnten Vokalisten dann stimmgewaltig austoben durften. Chris Thompson brauchte zwar zwei, drei Songs, bis die Stimme endlich auf Betriebstemperatur war, ebenso Steve Augeri, doch letztendlich gaben beide ihre jeweiligen Hits mit Verve und Leidenschaft zum Besten.

Augeris Interpretation von ›Faithful‹ zauberte den Zuhörern gar ein glückliches Grinsen ins Gesicht. Eric Bazilian brillierte schließlich als sympathische Ein-Mann-Entertainment-Maschine, deren gesanglich perfekte Darbietung ihren Höhepunkt in einer fulminanten Version von ›Johnny B.‹ fand. Special Guest Bonnie Tyler, traditionell eigentlich eher im Pop denn im Rock beheimatet, erstaunte mit ihrer kraftvollen, rauchigen Stimme und einer charismatischen Bühnenpräsenz, ihre Show gipfelte in einer hervorragenden Version des Klassikers ›The Best‹. Der eigentliche Star des Abends war zweifellos Paul Rodgers, der ganz ohne Anlaufschwierigkeiten Großtaten wie ›Wishing Well‹, ›Feels Like Makin‘ Love‹, ›All Right Now‹ und ›Rock’n’Roll Fantasy‹ aus dem Ärmel schüttelte und damit seinem Ruf als einer der besten Rocksänger aller Zeiten absolut gerecht wurde. Beim großen Finale des Abends zogen Orchester, Band und Sänger dann noch einmal alle Register – und lieferten den Beweis, dass Klassik und Rock bestens miteinander harmonieren können. Ein unterhaltsamer Abend also, der vor allem eine Frage aufkommen ließ: Wer wird wohl bei der nächsten Tournee dabei sein?

Jürgen Tschamler

JAKE BUGG
Zoom, Frankfurt

Erwartungen erfüllt

Nur einen Tag älter als Justin Bieber sei er, betont Jake Bugg gerne in Interviews. Tatsächlich feierte der wichtigste Nachwuchskünstler Großbritanniens 2012 am 28. Februar seinen 19. Geburtstag. Bieber zog einen Tag später nach. Doch wo der eine weltweit Heerscharen an Zahnspangenträgerinnen mit Reißbrett-Pop verzückt, zieht der andere ein Publikum, dass durchschnittlich mehr als doppelt so alt ist wie der junge Protagonist, der in Schwarzweißästhetik ernst vom Cover seines selbstbetitelten Debüts blickt. Doch Jake Bugg versteht nicht nur zu posieren. Mit der Folkballade ›Fire‹ eröffnet er zur Akustikgitarre den Songreigen, bevor sich für das temporeiche ›Kentucky‹ seine Begleiter an Bass und Schlagzeug zu ihm gesellen.

18 Songs werden es unterm Strich bis zum Finale sein. Vier mehr, als sein mit 14 selbstkomponierten Nummern bestückter Erstling hergibt. Handwerklich erstklassige Ware zwischen dynamischem Tempo und introspektiver Kontemplation. Mit klaren Textbotschaften, die einem ob des Alters seines Urhebers immer wieder in Erstaunen versetzen. ›Seen It All‹ formuliert er in Abgeklärtheit. In ›Note To Self‹ kritisiert er seine charakterlichen Schwächen. Man fragt sich: Woher nimmt der Spätteen nur seine Weisheit? Über das Trinken und das Rauchen singt er auch. Und, was für einen Jungen seines Alters wenig verblüfft, über zerbrochene oder unerwiderte Liebe.
Bei jedem Song wechselt er die Gitarrenmodelle. Doch die größte Überraschung, abgesehen davon, dass er mit Stimme und auf Retro getrimmtem Klangbild alle an ihn gestellten Erwartungen optimal erfüllt, dürfte sein, dass er auch noch unglaublich präzise Solis und Licks spielt. ›Someone Told Me‹ und ›Country Song‹ bestreitet er solo. Für ›Broken‹, eine der beiden Zugaben, packt er die ganz großen Gefühle aus. Doch zündet vor allem Verrocktes und Verrolltes wie ›Trouble Town‹, ›Taste It‹ und ›Lightning Bolt‹. Selbst die einzige Coverversion, Johnny Cashs ›Folsom Prison Blues‹, klingt, als stamme sie aus Buggs eigener Feder.