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STEVE MILLER BAND
Alte Oper, Frankfurt
Perfektes Rock Entertainment kontra

Kein Bier im nobeln Konzertsaal der Alten Oper und Sitzplatzzwang. Alles andere als günstige Voraussetzungen für einen vergnüglichen Abend mit guter Rockmusik. Interessanter Weise scheint das aber den etwas über 1600 Menschen an diesem Abend völlig egal zu sein, die angespannt und verhalten ruhig auf ihren Stühlen sitzen und das riesige Backdrop mit dem Steve Miller Band Logo anstarren. Bei solch einer Menschenansammlung kann man eigentlich von einer schmerzhaften Lautstärke ausgehen… hier nicht, man könnte meinen, man ist in einem Krankenhaus. Erst als das Hallenlicht sich verdunkelt, ein Intro einsetzt, der riesige Vorhang die Bühne freigibt, kommt Bewegung in die Anwesenden. Ob Herrn Miller und seiner exzellenten Begleitband diese Stille vor dem Betreten der Bühne auch aufgefallen ist, wäre interessant zu wissen. Mit den ersten Tönen aus Millers Gitarre geht jedoch ein euphorischer Ruck durch die Anwesenden. Kein Wunder, denn der Sound ist unglaublich perfekt, transparent, warm und doch so rockig analog, dass eine Steigerung kaum noch möglich scheint. Die Hitmaschinerie aus dem Hause Steve Miller kommt in Schwung, wobei die Lightshow und die dezenten Effekte perfekt mit den Songs abgestimmt sind. Miller spielt eine grandiose Gitarre und sein Gesang hat immer noch all diese unverwechselbaren Nuancen die Hits wie ›Rock’n Me‹ , ›Jungle Love‹, ›Abracadabra‹, ›Jet Airliner‹, ›Swingtown‹, ›Space Cowboy‹ oder ›The Joker‹ zu Klassikern werden lässt. Er ist Gentleman und introvertierter Entertainer zugleich. So überrascht es, dass er seinen alten Bekannten Randy Hansen, der zur gleichen Zeit in Frankfurt weilte, auf die Bühne bat um mit ihm ein paar klassische Rock’n’Roll Nummern zu jammen. Beide Musiker genießen dieses ungewöhnliche Intermezzo in jeder Sekunde und die Anwesenden springen zum ersten Mal an diesem Abend aus ihren Stühlen. Dies geschieht erst wieder gegen Ende des 120-minütigen Auftritts, als Miller und Co. noch einmal richtig aus sich heraus gehen. Das Fazit für diesen bierlosen Abend: Konzerthighlight des Jahres 2012!

Jürgen Tschmaler

SONICS
C-Club, Berlin
Prädikat: zeitlos.

Drei Roadies im Alter von Methusalix bereiten die Bühne vor, sämtliche Griffe sind tausendmal geprobt, alles passiert gaaanz langsam. The Sonics waren immer eine Untergrundband, daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Vergleich zu ihnen wirkten Beatles und Stones wie süße Jungs, während die Fünf aus Tacoma, Washington stets roh, attackierend und gefährlich rollten und rockten. Damit wurden die Ur-Garagenpunks zu Vorbildern für Stooges, MC5, Dead Boys, Hanoi Rocks und andere Bösebubenbands. Das Publikum besteht heut Nacht zum Großteil aus Berliner Nachtschattengewächsen, die sich u.a. dadurch auszeichnen, dass sie extrem spät erscheinen.
Drei Mann der Erstbesetzung aus den frühen 60ern des letzten Jahrhunderts sind noch an Bord: Keyboarder und Sänger Gerry Roslie, Gitarrist Larry Parypa und Saxophonist/Mundharmonikaspieler Rob Lind. Ergänzt werden sie von Trommler Ricky Lynn Johnson und Basser Freddie Dennis.
Zusammen spielen sie sämtliche Klassiker ihrer grandiosen Alben Here Are The Sonics, Boom und Introducing The Sonics. Darunter Ohrenstürmer wie ›Dirty Robber‹, ›Have Love Will Travel‹ und ›Cinderella‹ ergänzt von Evergreens aus fremder Feder wie ›Louie Louie‹ und ›Money‹. Die Nummer ›Boss Hoss‹ widmen sie Sascha und Alec von der gleichnamigen Berliner Band, die beide anwesend sind. Natürlich dürfen auch ihre Urknall-Singles ›Psycho‹, ›Strychnine‹ und ›The Witch‹ nicht fehlen. Erstaunlich, wie kompakt die Band zusammenspielt, wie messerscharf ihre Grooves ausfallen, wie beißend ihre Melodien immer noch wirken. Die Nachtschattengewächse schwofen und tanzen wie aufgedreht, weil der Garagenpunk der Sonics – obwohl ältere Herren – absolut fit und frisch wirkt. Prädikat: zeitlos.

Henning Richter

NOEL GALLAGHER
Capitol, Offenbach
Perfekter Neuanfang…

Eindeutiger geht die Botschaft nicht: ›(It’s Good) To Be Free‹, ein B-Seiten-Titel von Oasis, dient Noel Gallagher’s High Flying Birds als trefflicher Einsstieg. Ein in rund 90 Minuten von euphorisch gestimmter Fangemeinde mit viel Wohlwollen, mitunter aber auch provokanten Zwischenrufen fast schon pastoral gefeierter Punktsieg für den Älteren der Gebrüder Gallagher. Neben Stücken von Oasis überzeugt der 45-Jährige auch mit neuen Stücken wie ›Everybody’s On The Run‹, ›Dream On‹ und ›The Death Of You And Me‹.

Michael Köhler

ALICE COOPER
Wembley Arena, London
Jeder Abend Halloween.

Ein Abend mit Alice Cooper ist immer ein Erlebnis. Heute wirkt der Gruselrocker wie eine skurrile Kreutzung aus Michael Keaton’s Beetlejuice und Vincent Price in Hammer Horror – und genau dafür lieben wir ihn. Und Cooper, der im Februar seinen 65. Geburtstag feiern wird, hat Energie wie ein kleiner Junge. Dieser Mann scheint niemals zu altern. Und auch wenn man bei einigen Showelementen ein bisschen Schmunzeln muss, ist er doch das einzig wahre Original..