Kick 25 (LP) (Ltd. Edt.)_ INXS - CMS Source
Fast 20 Jahre sind vergangen seit dem Tod von Michael Hutchence, ein ganzes Vierteljahrhundert, seit die Australier ihr erfolgreichstes Album veröffentlichten. Gitarrist Tim Farriss erinnert sich an stürmische, glückliche Jahre.

Das waren noch Zeiten! Den Lieblingssatz zwangsnostalgischer Midlife-Crisis-Opfer könnten INXS mit Fug und Recht ins Feld führen, wenn man sich die erste Phase ihrer Karriere ansieht. Denn wäre es heute noch möglich, eine Laufbahn so langsam, aber kontinuierlich aufzubauen, wie es die Aus-sies Anfang der achtziger Jahre taten? Ihr selbstbetiteltes Debüt von 1980 und dessen Nachfolger UNDERNEATH THE COLOURS von 1982 generierten wenig Aufmerksamkeit, Album Nr. 3 SHABOOH SHOOBAH sorgte ein Jahr später für erste Achtungserfolge, während erst THE SWING von 1984 ein größeres Publikum anzusprechen begann.

1985 jedoch begann eine Zusammenarbeit, die Michael Hutchence & Co. in die Stratosphäre katapultieren sollte: Erstmals saß Produzent Chris Thomas an den Reglern, der die Band in der entscheidensten Phase ihres Werdegangs begleiten sollte. „Wir hatten in Australien schon einiges erreicht, waren ziemlich erfolgreich und konnten von unseren Plattenverkäufen und Toureinnahmen sehr gut leben“, erinnert sich Tim Farriss. „Unser Manager sagte dann, dass wir jetzt die Wahl haben: Entweder schieben wir eine ruhige Kugel, legen das Geld gut an und genießen das Leben, wie es ist. Oder wir riskieren alles und investieren die Kohle in den Versuch, die Welt zu erobern. Wir entschieden uns für Letzteres.“

Chris Thomas, „ein fantastischer Produzent und bis heute ein sehr guter Freund von mir“, inszenierte die Truppe 1985 mit LISTEN LIKE THIEVES nicht mehr als die simplen Saufrocker oder Pop-Hüpfer früherer Werke, sondern als Clubrocker mit reichlich Sex Appeal. Die Single ›What You Need‹ wurde zum ersten großen Hit der Band, vor allem aber zum Durchbruch in den USA, wo sie die Top 5 erreichte und INXS zum neuesten heißen Scheiß machte. Ein Status, der zu einem prestigeträchtigen Support-Slot führte: Queen. „Die Jungs liebten uns und hingen immer mit uns ab. Vor allem Michael hatte es ihnen angetan und ich durfte miterleben, wie er und Freddie Mercury zusammen rumalberten und sich gegenseitig volle Kanne ins Gesicht sangen. Michael war der frontman’s frontman, auch Mick Jagger und Bono verstanden sich prächtig mit ihm.“

Nach dem Wirbelwind des ersten Weltruhms war klar, dass das nächste Album entscheidend sein sollte. Von Erfolgsdruck war jedoch nichts zu spüren, und auf die Frage nach pikanten, dramatischen oder problematischen Anekdoten aus jener Zeit wiegelt Tim eindeutig ab: „Mein Gedächtnis mag nicht mehr das beste sein, aber ich habe ganz ehrlich nicht die geringsten schlechten Erinnerungen an die Entstehung von KICK. Es war eine geniale Zeit für uns alle. Nachdem wir uns mit Chris so gut verstanden hatten, machten wir auch KICK wieder mit ihm. Eine sehr gute Entscheidung, denn es hätte nicht perfekter laufen können. Wir hatten die Songs, wir hatten alle dieselben Vorstellungen davon, wie das Album klingen sollte, es gab keine Konflikte, keine Meinungsverschiedenheiten, wir zogen alle am selben Strang.“