Manic Street Preachers: Sänger James Dean Bradfield im Interview

Manix Street Preachers Interview James Dean BradfieldDie drei Waliser sind in den besten Jahren angekommen. Ihre Musik aber klingt auf dem neuen Album RESISTANCE IS FUTILE so forsch und melodieverliebt wie lange nicht. Wir sprachen mit Sänger James Dean Bradfield (49) in Berlin.

Vorne auf dem neuen Album der Manic Street Preachers, es ist das sage und schreibe dreizehnte, prangt ein altes Foto des letzten Samurai. Die Schwertkampfkunst des Kriegers ist nicht mehr gefragt, seit die Schusswaffe erfunden wurde, aus seinem Blick spricht die angemessene Verzweiflung darüber, nun überflüssig zu sein. Kann sich James Dean Bradfield, der Sänger der Manics, mit dem japanischen Relikt identifizieren? „Ein bisschen, aber nicht völlig“, sagt der redefreudige und grundsympathische Frontmann und schmunzelt. „Wir erkennen das Geschäft, in dem wir uns seit mehr als dreißig Jahren bewegen, wirklich kaum noch wieder. Wir haben 1985 unseren ersten Song zusammen geschrieben, 33 Jahre später ist nichts mehr so wie damals, außer dem Livespielen.“

Bei Bradfield, einem verheirateten Vater von zwei Kindern, muss man immer ein wenig aufpassen, denn wenn er erstmal anfängt zu reden, hört er nur ungern wieder damit auf. „Uns ging es damals wirklich um die Musik. Heute wollen die Künstler gleich mit einem berühmten Songwriter-Team arbeiten und als nächstes ein Lied in der Werbung platzieren. Wir sind wirklich Dinosaurier.“

Aber die Waliser, die alle nach wie vor in Cardiff ansässig sind und dort mit ihrem Studio an den Stadtrand verdrängt wurden, weil ein Investor im alten Studio Luxuswohnungen bauen wollte, stemmen sich mehr als wacker gegen die Ausrottung.

Kraftstrotzend und energisch klingen Bradfield, Nicky Wire und Sean Moore auf RESISTANCE IS FUTILE („Widerstand ist zwecklos“), auch bissig, das jeweils knappe halbe Lebensjahrhundert hört man den Männern in keinem Moment an. Und wüsste man es nicht besser, käme man kaum auf die Idee, dass zwischen rasanten neuen Hymnen wie ›International Blue‹ oder dem hoffnungsvoll-lebensbejahend swingenden ›People Give In‹ und den alten Hits vom Schlage eines ›If You Tolerate This‹ oder ›Motorcycle Emptiness‹ locker zwanzig Jahre liegen. Die Manic Street Preachers, soviel steht fest, waren songqualitativ und vom Hymnenfaktor her ewig nicht so nah dran an ihren Großtatenalben THE HOLY BIBLE (1994) und EVERYTHING MUST GO (1996) wie dieses Mal. „Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass diese Band unendlich existieren wird“, gibt Bradfield zu bedenken, „und doch war uns von Anfang an klar, wie kostbar diese Band ist. Wir drei haben eine besondere Chemie zusammen. Die Leute hören uns sogar zu, wenn sie uns eigentlich blöd finden. Das wollten wir nie aufgeben.“

Freilich werden die Lücken zwischen den Alben eher länger. James sagt, er verbringt schon auch gern Zeit mit der Frau, den Kindern und dem Hund, außerdem befasst sich der deutlich links der Mitte positionierte Sänger geradezu exzessiv mit Politik – und driftet im Interview auch immer mal wieder in ausführliche Politdiskurse ab. „Während in Deutschland die großen Parteien der Mitte kaum noch zu unterscheiden sind, haben die Mainstreamparteien in Großbritannien die Mitte verlassen, preisen entweder den totalen Liberalismus oder den reinen Sozialismus. So erreichen sie aber nur ein paar Eliten in London oder Manchester, nicht hingegen die Leute auf dem Land. Eine Zeitlang haben wir Briten Angela Merkel wirklich bewundert, doch auch das ist vorbei. Merkel gelingt es einfach nicht, den Menschen Hoffnung zu machen, sie spricht irgendwie niemanden mehr an.“

Ganz im Gegensatz zu den Manic Street Preachers selbst. Deren Ehrgeiz ist ungebrochen, am liebsten würden sie immer in Stadien spielen. „Der Druck, Erfolg zu haben und ins Radio zu kommen, ist unvermindert da“, sagt Bradfield. „Wir wollen so viele Leute erreichen wie wir können, und auch deswegen leben wir auf diesem Album unsere traditionelle Besessenheit gegenüber prägnanten Melodien besonders schonungslos aus.“ Die walisischen Krieger geben sich noch nicht geschlagen.“

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