Marianne Faithfull im Interview: „So rebellisch waren wir nicht“

Marianne Faithfull2Sie ist wahrscheinlich die Mutter aller Rock-Chicks! Vor drei Jahren sprach Marianne Faithfull im Interview mit CLASSIC ROCK über ihr damals neues Album und rechnete radikal mit den mystisch verklärten Sechzigern ab.

Marianne, du giltst als Aushängeschild der Swinging Sixties. Wie wild hast du es damals getrieben?
Nicht so wild, wie die Leute glauben. Und das meine ich ernst. Schließlich habe ich mittlerweile einen Computer. Was bedeutet, dass ich im Internet all diese unfassbaren Sachen über mich lese. Also diese Fantasien, die andere über mich haben, und die mich einfach verblüffen. Ich will zwar hier keine Träume zerstören – aber das Meiste stimmt nicht. Ich habe z.B. nie an diesen Orgien teilgenommen. Aber: Man kann die Leute nicht daran hindern, das zu denken.

Es scheint eine Menge Verklärung im Spiel zu sein…
Ja, sie werden fürchterlich glamourisiert. Und das Tragische ist, dass die heutigen Kids gar nicht die Möglichkeit haben, etwas Ähnliches zu erleben. Sei es wegen Aids oder was-auch-immer. Sie können nie so ein freies Sexualleben haben wie wir damals.

Wobei es gesellschaftlich aber auch nichts mehr gibt, gegen das man rebellieren müsste, oder?
Wahrscheinlich nicht. Aber um ehrlich zu sein: So rebellisch waren wir auch nicht. Was genau das Problem mit den Sechzigern ist: Es ging um lange Haare und Drogen. Das war alles. Wir hätten ein paar gute Sachen machen können. Haben wir aber nicht. Insofern war es eine riesige Zeitverschwendung. Und ich bin immer noch dabei, das aufzuholen – weil ich ja besonders verschwenderisch war.

Laut deiner Autobiografie hast du vor allem Drogen genommen, weil es dir Vergnügen bereitet hat…
Das hat es damals auch. Obwohl ich gar nicht mehr weiß, warum ich damit angefangen habe. Aber ich muss eine Art Leere oder einen Mangel an etwas gespürt haben. Wobei ich das mittlerweile ganz anders sehe.

Intime Frage: Hältst du Mick Jagger, mit dem du von 1966-70 liiert warst, immer noch für attraktiv?
Oh, ein bisschen schon. (lacht) Ja, ich schätze, er ist ganz okay.

Oder stehst du inzwischen mehr auf Keith Richards?
Ich liebe Keith! Das tue ich wirklich. Aber ich denke, ich würde mich immer wieder für Mick entscheiden.

Obwohl Keith den „wärmeren“ Charakter hat?
Ja, er ist herzlicher. Und wer weiß: Hätte ich mich damals für ihn entschieden, vielleicht wäre in meinem Leben einiges anders gelaufen. Vielleicht aber auch nicht!

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