Marillion: Sänger Steve Hogarth im Interview

Marillion Steve Hogarth InterviewPremierenfieber in der Londoner Royal Albert Hall: An einem Oktoberabend 2017 spielen Marillion ihr erstes Konzert an diesem ruhmreichen Ort. Wie es sich gehört in edler Besetzung mit Streicherquartett, Flöte und French Horn. Die Band spielt das Album F E A R komplett, dazu Highlights aus dem Katalog. Sänger Steve Hogarth hatte die Idee zu dieser aufwendigen Show, die nun auf CD und DVD zu haben ist. Im Interview erzählt er von der Magie des Ortes und dem besonderen Verhältnis zwischen der Band und ihren Fans.

Steve, warum wolltest du unbedingt in die Royal Albert Hall?
Es ist schon eine Art Sehnsuchtsort für mich. Da ist die großartige Architektur, das Gefühl der Erhabenheit, das du bekommst, wenn du dieses Gebäude betrittst. Es liegt im Herzen von Kensington, also wirklich Mitten in London, nicht in einem Stadtteil weit draußen. Na ja, und ist es eben die Royal Albert Hall, da schwingt etwas Königliches mit. Ich bin beileibe kein Royalist, aber ich denke schon, dass dieses Gebäude etwas repräsentiert, was das Hammersmith Odeon nicht hat.

Es ging euch also auch ums Prestige?
Es ging uns darum, etwas wirklich Einzigartiges zu machen. Die Show war innerhalb weniger Minuten ausverkauft, das hat uns gefreut, aber nicht sonderlich überrascht. Uns war klar: Wenn wir unseren Fans, die ja wirklich über den Globus verteilt sind, diesen einen Abend in dieser Location bieten, dann werden sie kommen.

Habt ihr dann auf der Bühne gemerkt, dass es für die Fans ein besonderer Abend ist?
Ja, und das finde ich sehr interessant: Wenn Fans lange Wege in Kauf nehmen, um ihre Band zu sehen, dann haben sie den An­­spruch, dass diese Band sie für den langen Trip entschädigt und eine einmalige Show spielt. Bei uns war das anders, die Fans hatten weniger Erwartungen an uns als an sich selbst. Sie spürten: Die Jungs von Marillion haben sich intensiv auf diesen Abend vorbereitet, nun müssen auch wir Fans unseren Job machen, damit diese Show wirklich einzigartig wird. Und damit die Band auch ihren Spaß hat. (lacht)

„Songs darüber, wie man möglichst viele Frauen erobert, nimmt man mir nicht mehr ab.“

Dieser Anspruch der Fans passt zu eurem Geschäftsmodell: Eure Fans sind es, die seit einigen Jahren die Alben vorfinanzieren.
Das mag stimmen, aber ich mag den Begriff Geschäftsmodell nicht, er impliziert, dass wir dabei hauptsächlich ans Geld denken – und dass es für uns nur noch via Crowdfunding funktioniert, ein Album aufzunehmen. Aber das stimmt nicht. Wir sind als Band erfolgreicher denn je. Das Modell be­­halten wir aber bei, weil es für unsere Fans und auch für uns sehr viele Vorteile bietet.

Nämlich?
Unsere Fans schenken uns Freiheit. Das ist der wesentliche Punkt. Durch dieses Modell gibt es keine dritte Instanz, die versucht, aus kommerziellen Gründen unsere Freiheit zu beschneiden. Hinzu kommt, dass unsere Fans tatsächlich irritiert und in Sorge wären, wenn wir sie nicht mehr beteiligen würden. Als wir vor F E A R den Prozess umstellten und das Crowdfunding über PledgeMusic organisierten, weil es für unser Management einfach zu aufwendig wurde, gab es viele be­­sorgte E-Mails von Fans, die fragten: Haben wir etwas falsch gemacht? Machen wir euch zu viel Arbeit? Das war sehr rührend.

Ein Live-Album aus der Royal Albert Hall im Herzen Londons: Melden sich Marillion damit im Establishment zu­­rück?
Ich weiß, was du meinst: Für viele Leute sind wir eine eigensinnige Band mit eingeschworenen Fans, die es irgendwie geschafft hat, erfolgreich zu sein, ohne die herkömmlichen Regeln zu befolgen. Aber weißt du was? So darf es gerne bleiben. Natürlich ist es schön, über uns in Magazinen zu lesen, unsere Songs im Radio zu hören – es sei denn, jemand meint, noch mal ›Kayleigh‹ spielen zu müssen. (lacht) Aber wir bräuchten das nicht. Es ginge auch ohne. Das ist die Freiheit, die ich meine – und die haben wir unseren Fans zu verdanken.

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