MasterplanDas Sänger-Intermezzo mit Mike DiMeo währte nur ein Album lang, jetzt steht wieder Jørn Lande am Ruder von Masterplan. Übrigens fester denn je, wie das neue Album TIME TO BE KING beweist.

Text: Matthias Mineur

Das größte aller Komplimente mag Band-Chef Roland Grapow gar nicht hören: „Viele sagen, dass TIME TO BE KING ähnlich wie unser Debüt klingt. Ich kann das nicht so richtig nachvollziehen, außer dass es nun einmal wieder der gleiche Sänger wie damals ist.“ Zur Vorgeschichte: 2003 waren Masterplan, die neue Band des ein Jahr zuvor bei Helloween geschassten Gitarristen, mit einem furiosen Erstwerk gestartet. Das Album bekam überragende Kritiken, avancierte zum meistverkauften Metal-Debüt des Jahres und katapultierte die Gruppe aus dem Stand an die vorderste Front der Szene. Das neue Metal-Traumpaar schien gefunden zu sein: auf der einen Seite der Hamburger Grapow, ein fantastischer Gitarrist und überdurchschnittlicher Songschreiber; auf der anderen Seite Jørn Lande, Norweger und mit einer Stimme gesegnet, wie es sie seit Dio oder Coverdale keine mehr gegeben hatte.
Doch bereits nach dem folgenden Album, dem ebenso starken AERONAUTICS (2005), zerfiel das Duo. Lande konzentrierte sich fortan auf sei-ne Solokarriere, während Masterplan wohl oder übel mit dem Amerikaner Mike DiMeo einen Nachfolger aus dem Hut zaubern mussten, der auf dem dritten Werk MKII (2007) zwar überzeugte, die Bühnenprobe aber nicht bestand: „Es steht mir nicht an, jetzt schmutzige Wäsche zu waschen, aber so präsent Mike im Studio war, so wenig überzeugend zeigte er sich in Konzerten. Es war einfach ein Riesen-Unterschied zu Jørn. Als die Tour mit Mike zu Ende war, hatte ich das Gefühl, dass uns die Shows mehr geschadet als genützt hatten.“
Frustriert und reichlich desillusioniert ließ Grapow anschließend die Bandaktivitäten ruhen und betätigte sich zunächst einmal als Produzent für andere Metal-Formationen. Gleichzeitig rief er sich Stück für Stück bei Lande wieder in Erinnerung: „Der Kontakt zu Jørn war ja nie ganz abgebrochen, aber zunächst mussten erst einige Missverständnisse ausgeräumt werden, die seinerzeit zum Split geführt hatten.“

Natürlich ging es dabei auch um geschäftliche, sprich: finanzielle Belange, jedoch nicht ausschließlich. Grapow: „Jørn forderte mehr Mitsprachemöglichkeiten, wollte musikalisch und künstlerisch größeren Einfluss haben. Das haben wir ihm gewährt, ich habe ihm zugesagt: ,Du und Axel (Mackenrott, Keyboarder und Komponist der Band, Anm. d. Autors), ihr seid meine Partner, mit euch werde ich alle wichtigen Entscheidungen absprechen.‘“

Seither ist Lande zurück an Bord. Und siehe da: Schon jubiliert die Presse einhellig und attestiert dem neuen Album TIME TO BE KING, dass die wichtigsten Stilmittel der Gruppe hier endlich wieder bedient werden. „Es war Jørns Wunsch, die Produktion möglichst pur zu halten, also gibt es daher weniger Overdubs als früher, so dass sich die Songs noch besser auf der Bühne umsetzen lassen“, erläutert Grapow die Veränderungen und setzt noch hinterher: „Ich denke, dass dadurch dieser lebendige Eindruck entstanden ist. TIME TO BE KING ist genau der Neustart für Masterplan, auf den alle gewartet haben.“