family13. Oktober 1973: Family geben ihr finales Konzert in Leicesters Polytechnic.

Nicht wenige Langzeitverehrer der 1973 nach sieben aktionsreichen Jahren aufgelösten Formation Family staunten nicht schlecht: Exakt 40 Jahre später reformierte sich die Gruppe aus Leicester unverhofft in der Kernbesetzung Roger Chapman, Rob Townsend, John „Poli“ Palmer und Jim Cregan, ergänzt um fünf weitere Mitglieder aus Chapmans Langzeitband Shortlist. Zumal Frontmann „Chappo“, angesprochen auf eine Reunion, jahrzehntelang nicht müde wurde zu entgegnen: „Das wird nie passieren“.

Als Auslöser fungierte 2012 der Radiosender Planet Rock, der Familys einzigen Singlehit ›Burlesque‹ (1972) auf die Playlist nahm. Die britischen Kollegen von CLASSIC ROCK verliehen der Band im gleichen Jahr bei den alljährlichen Awards in der Kategorie „Spirit Of Prog“ die erste Trophäe überhaupt. Schließlich erschien die 14-CD-Box ONCE UPON A TIME.

Eine als einmalige Reunion gedachte Show Anfang 2013 in Londons O2 Shepherd‘s Bush Empire war ebenso schnell ausverkauft wie eine zweite, hastig nachgeschobene. Ein wenig fühlte es sich wie 1969 an, als John Lennon den verwegenen Stilmix zusammenfasste: „Family are the most musically interesting band out there.”

Aber die Truppe, die im Londoner Distrikt Kensington in einer WG hauste, hinterließ nicht nur sieben grandiose Alben und sorgte für er­­schütternde Konzerteindrücke. Die Autorin Jenny Fabian verewigte Family – hier allerdings unter dem Pseudonym Relation – in ihrem gemeinsam mit Johnny Byrne verfassten Buch „Groupie“ (1969). Dort zeichnete sie, die mit der Band zusammen lebte und ein Dreiecksverhältnis mit Ric Grech und Manager Tony Gourvish unterhielt, ein tabulos hedonistisches Porträt. Exzesse waren an der Tagesordnung: Cocktails aus Alkohol, Drogen, Uppers und Downers, ergänzt um wahllosen Sex.

Was sich noch intensivierte, wenn sich die Jungs auf Tournee befanden. So auch beim finalen Heimspiel am 13. Oktober 1973 in Leicesters Polytechnic. Da tobten Family sich nicht nur über Stunden im Rampenlicht aus, sondern anschließend bei einer extrem wüsten Abschiedsparty im örtlichen Holiday Inn, die mehr als einen Tag dauerte.