FehrenschildPunk, und was daraus wurde.

Für das Buch-Projekt „No Future?“ besuchte der Autor zusammen mit seiner Frau die unterschiedlichsten Protagonisten aus der deutschen Punk-Szene. Sie sprachen mit insgesamt 37 Persönlichkeiten über ihre Lebensentwürfe. Die Musiker von Slime, Blitzkrieg, Die Goldenen Zitronen oder Östro 430 sind heute Konzernmanager oder Theater-Regisseur, Groß-mutter oder freiberuflicher Übersetzer, Millionär oder immer noch am Existenzminimum. Margita zum Beispiel. Sie wurde 1942 geboren, war später Gründungsmitglied der Band Abwärts, hat sich als Schauspielerin im Dunstkreis von Rainer Werner Fassbinder bewegt und wohnte eine zeitlang mit der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin zusammen in einer Berliner WG. Für Kiky, eine Erzieherin mit Psychologie-Diplom aus Meerbusch, war die Anziehungskraft des Punk geradezu magnetisch: „Die Musik und auch die Texte haben für mich als Jugendliche genau das beschrieben, was ich erlebte. Punk war in meiner Generation einfach der Ausdruck für Rebellion gegen alle Autoritäten, vor allem gegen das Elternhaus.“ Die Punkszene lebte dabei ein fast gleichberechtigtes Geschlechterbild vor, was der ehemalige Die-Toten-Hosen-Drummer Trini Trimpop bekräftigt: „Heute erleben wir eine Rückentwicklung zu dem, was wir in den 1960er Jahren angestoßen haben. Denk mal an das Frauenbild im HipHop. Wir waren mit der Gleichberechtigung schon mal viel weiter. Die junge Generation wird mit youporn konfrontiert, aber ohne Anleitung alleine gelassen. Die machen das dann heimlich und denken, sie tun was Verbotenes. Wir Menschen sind schließlich Nachahmer, aber niemand zeigt uns, wie man Sexualität lebt.“ Eine herausragende und lesenswerte Chronik mit einem unglaublichen breiten Querschnitt an Lebenswegen.