michael schenker spirit on a missionViel Veteranentreffen, wenig Magie.

Mal Genie, mal Scharlatan. Das Leben von Michael Schenker ist geprägt von Gegensätzen. Als er vor einer Weile gefragt wurde, wie er der Nachwelt in Erinnerung bleiben wolle, antwortete er: „Als Geist auf einer Mission, der vom Standpunkt der reinen Selbstentfaltung aus die Freude an der Musik vermittelt.“ Das klingt ein bisschen spinnert, während Rudolf Schenker als älterer Bruder einen genaueren Blick auf das Familienblut hat: „Michael ist mehr ein Einzelkämpfer, das macht den Umgang mit ihm nicht immer ganz leicht“, kommentiert er. Die Scorpions sind der große unsichtbare Geist, der im Hintergrund die Fäden zieht. Sie spielen auch hier eine große Rolle: Herman Rarebell sitzt am Schlagzeug und Francis Buchholz am Bass, die drei waren mit Michael zuletzt im Jahr 1979 am Album ›LOVEDRIVE‹ beteiligt. Sänger Doogie White, der wie ein Fußball-Profi-Söldner im Drei-Monats-Takt den Verein wechselt, ist nach Stationen bei Tank und Demon’s Eye nun bei Schenker gelandet. Er ist neben dem Namensgeber einer der großen Pluspunkte dieser Produktion. Am besten ist das Quartett, wenn es mal neben der handelsüblichen Hard-Rock- und Heavy Metal-Meterware eine originelle Idee ausarbeitet. ›Communion‹ ist ein eleganter Bluesrocker mit geradem Stampfbeat, ›Saviour Machine‹ ein orientalisch anmutendes Gitarrengewitter und bei ›Good Times‹ lässt Michael Schenker aufblitzen, wie viel ›Assault Attack‹-artige Virtuosität noch in seinen Fingern steckt. Diese Platte ist das Ergebnis eines Veteranentreffens: bei diesen Namen kann am Ende kein wirklicher Schrott heraus kommen. Aber ein Werk mit herausragendem Meistercharakter ist es leider auch nicht.