monster magnetDer Meister des Space Rock ist zurück: verändert zwar, aber immer noch mit imaginären Parallelwelten.

Mehr als nur verinnerlicht hat Dave Wyndorf, Gründer und Chef von Monster Magnet, die Tugenden und Ideologien der sechziger und siebziger Jahre. Eine Ära, als der Zeitgeist durch gesellschaftliche Aufbruchstimmung geprägt war und gleich mehrere Generationen von einer besseren Welt in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit träumte. Wie eine verwunschene Mischung aus waschechtem Blumenkind und gefährlichem Hells Angel wirkt der US-amerikanische Frontmann auf der Bühne der schon seit Wochen bis auf den letzten Platz ausverkauften Frankfurter Batschkapp.

Einen Schlussstrich unter seine jahrzehntelange Drogensucht, die ihn mehrmals fast ins Grab gebracht hätte, will der 53 Jahre alte Sänger, Gitarrist und Komponist schon vor einiger Zeit gezogen haben. Wyndorfs derzeitiges Kampfgewicht im XXL-ÜbergrößenFormat spricht – obwohl er sich neuer­dings auf der Bühne kaum mehr die verwegene Aktion gönnt, für die er einst berüchtigt war – für eine gelungene Therapie. Zum Auftakt präsentiert das Quintett die eindringliche Drogenverherrlichung ›Dopes To Infinity‹ – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Auf Bühnenhintergrund projizierte Muster und Farben mit darüber kopierten Filmclips irritieren die Sehgewohnheiten auf durchaus angenehme Weise. Mächtig laut peitschen wuchtige Akkorde von Biker-Hymnen wie ›Powertrip‹, ›Crop Circle‹ und ›Radiation Day‹ über die Rampe. Monster Magnet halten sich, im Gegensatz zu ihren Glanzzeiten, als sie noch in größeren Hallen gastierten und oftmals ausufernde Improvisationen dem prägnanten Stoner-Psychedelic-Rock seine urwüchsige Kraft nahm, an die Vorgaben prägnanter Studioproduktionen.

Eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit durch herbes Übergewicht, zele­briert Dave Wyndorf seine vor allem durch Fantasy und Science Fiction geprägten Geschichten aus Vergangenheit und Zukunft, in denen es von Zyklopen, Dinosauriern und Vampiren nur so wimmelt, stoisch am Mikrofon. Mitunter kehrt die Identifikationsfigur für bekennende Retro-Rock-Fans gar minutenlang ihrem Publikum den Rücken zu. Doch wenn der Kuss des Skorpions tödlich ist, Köpfe explodieren und das jüngste Gericht ansteht, rücken der bedrohliche ›Spacelord‹ und der irre ›Negasonic Teenage Warhead‹ aus imaginären Parallelwelten bedrohlich nah.