Storm_2_-_credit_Rupert_TrumanDa soll noch jemand sagen, Schule wäre verschwendete Zeit. Storm Thorgerson hätte bestimmt dagegen argumentiert. In der Schule nämlich, genauer: in der Cambridgeshire High School for Boys, lernte er Syd Barrett und Roger Waters kennen – die späteren Gründer von Pink Floyd. Sie freundeten sich an, spielten gemeinsam Rugby. Nach dem Abschluss absolvierte Thorgerson seinen Master am Royal College of Art – in Film und Fernsehen. Der Wendepunkt kam 1968, als er im Londoner Nobelviertel South Kensington die Designagentur Hipgnosis gründete. Bis zum Ende der Firma im Jahre 1982 erschuf Thorgerson ein monumentales Werk, das von keinem anderen Coverkünstler erreicht wird – und eines, das es ohne die Freundschaft zu Syd und Roger vielleicht nie gegeben hätte.

Die beiden baten ihn 1968, das Cover ihrer zweiten Platte A SAUCERFUL OF SECRETS zu gestalten. Das kaleidoskopartige Artwork war der Auftakt einer Zusammenarbeit, die Geschichte schreiben sollte. Das fünfte Pink-Floyd-Album ATOM HEART MOTHER etwa wurde auch wegen des Covers ein Meilenstein – darauf zu sehen war eine Kuh. Mehr nicht. Die Plattenfirma reagierte verzweifelt, Storm war jedoch nicht zu erweichen. „Sie fragten mich, was zur Hölle Pink Floyd mit einer Kuh zu tun hat“, erinnerte er sich in einem Interview. „Und ich meinte nur: alles!“ Sein berühmtestes Werk für Pink Floyd sollte aber noch folgen. Das Prisma-Motiv für THE DARK SIDE OF THE MOON (1973), eine Ikone der Rockgeschichte.

Natürlich beschränkte sich die Arbeit von Hipgnosis nicht nur auf Pink Floyd. Die barocke Opulenz auf dem Debüt des Electric Light Orchestra, das verstörende Psychedelic-Kunstwerk auf Led Zeppelins HOUSES OF THE HOLY und das Triptychon vom Genesis-Geniestreich THE LAMB LIES DOWN ON BROADWAY gehen ebenfalls auf das Konto des Bildmagiers. Dramatische Lichteffekte, halluzinierende Akteure und surreale Einfälle (unvergessen: der brennende Mann auf Pink Floyds WISH YOU WERE HERE), aber auch Malerei wie auf Black Sabbaths TECHNICAL ECSTASY bilden das Oeuvre eines Künstlers, dessen Krebstod im April eine riesige Lücke hinterlassen hat. „Eine Schulter zum Ausweinen und einen großartigen Freund“, nannte ihn David Gilmour. Uns wird er als der Mann in Erinnerung bleiben, der eine Kuh auf das Cover einer Rockplatte setze – und damit durchkam…