NazarethEin Rock’n’Roll-Testament.

Im aktuellen Live-Set von Nazareth finden sich immer noch Klassiker wie ›Hair Of The Dog‹, ›Bad Bad Boy‹, ›Dream On‹ oder das Joni-Mitchell-Cover ›This Flight Tonight‹. Doch nun folgt ein bitterer Paukenschlag in Moll: Nach 45 Jahren und einer turbulenten Karriere mit insgesamt 22 Studio-Alben, ist ROCK’N’ROLL TELEPHONE eines, das viele Fans traurig stimmen wird. Denn Nazareth-Sänger Dan McCafferty muss seine Laufbahn als tourender Musiker aus gesundheitlichen Gründen beenden. Im Sommer 2013 erlitt der Frontmann bei einem Auftritt in der Schweiz einen Zusammenbruch. Es wurde vermutet, dass McCafferty einen Schlaganfall erlitten habe, doch nach mehreren Arzt-Besuchen wurde ein kompliziertes Lungenleiden und ein geplatztes Magengeschwür diagnostiziert. Sein Nachfolger steht bereits in den Startlöchern, es ist der 41-jährige Linton Osborne. Dieser neue Sänger hat bereits Mitte April sein Livedebüt in St. Petersburg gegeben und wurde zumindest von den russischen Fans mit warmen Ovationen aufgenommen. Sicher, Nazareth ohne McCafferty sind wie AC/DC ohne Bon Scott. Das war bis zum Februar 1980 auch völlig unvorstellbar. Doch der neue Mann wird sich wacker schlagen. Das neue Album serviert aber noch mit McCafferty am Mikrophon soliden Rock von zart bis hart, manche Songs klingen wie von einem Udo- Dirkschneider-Solo-Album, andere wie Feel-Good-Hardrock für die Ü-50-Party. Es gibt sicher viel schlechtere Möglich-keiten, sich aus dem schillernden Rock’n’Roll-Zirkus zu verabschieden. Die letzte Nummer heißt ›God Save The South‹, das soll nicht nur für den Süden gelten – sondern auch für den weiteren Lebensweg von Dan McCafferty.