George Harrison
Archivplünderungen bei George: Vergessenes, Vergangenes und Verlorenes.

Stets marginali- siert fühlte sich George Harrison im übermächtigen Schatten von John Lennon und Paul McCartney. Als im April 1970 das Ende der Fab Four besiegelt wurde, konnte er erstmals aufatmen. Wie angenehm und unkompliziert es sich auf Augenhöhe musizieren lässt, hatte er ja schon bei Sessions mit Bob Dylan & The Band im „Big Pink“ in Woodstock und bei seinen Soloproduktionen WONDERWALL MUSIC und ELECTRONIC SOUND erfahren können. Mit Eifer machte sich der von der indischen Philosophie beseelte Asket an die Produktion jenes Meilensteins, der in Form der Triple-LP-Box ALL THINGS MUST PASS 1970/71 weltweit als Soundtrack der Jesus-Welle diente.

Ein Hauptteil der EARLY TA- KES VOLUME 1 rekrutiert sich aus Material des globalen Bestsellers, Demo- oder Alternativ-Versionen von ›My Sweet Lord‹, ›I’d Have You Any Time‹ und ›All Things Must Pass‹ tönen ohne Phil Spectors Wall- Of-Sound-Bombast noch überzeugender. Wie sehr sich Harrison im Beatles-Zirkus isoliert und ausgesperrt fühlte, illus- trieren exemplarisch ›Run Of The Mill‹ und ›Behind That Lo- cked Door‹. Behutsam verfuhr „Little Georgie“, wie Paul Mc- Cartney Harrison selbst noch auf dem Totenbett nannte, auch mit den Dylan-Kompositionen ›Let It Be Me‹, ›Mama You’ve Been On My Mind‹ und ›The Light That Has Lighted The World‹. Für die ausgezeichnete Post-Produktion zeichneten übrigens Harrison-Witwe Olivia sowie Giles Martin, Sohn von Beatles-Produzent George Martin, verantwortlich.