Anthrax Athens Sonisphere 24jun10Selten wurde ein Album von der Rock- und Metalszene so gespannt erwartet wie WORSHIP MUSIC von Anthrax. 2007 verkündeten die amerikanischen Thrash-Ikonen, mit der Arbeit am Nachfolger von WE‘VE COME FOR YOU ALL aus dem Jahr 2003 begonnen zu haben. Doch diverse Line-up- und vor allem Sänger-Wechsel zögerten die Veröffentlichung immer weiter hinaus, so dass am Ende der Frust der Fans größer wurde als die Vorfreude auf das neue Werk.

Rückblende: Aufgrund von Unstimmigkeiten innerhalb der Band verließ Sänger Joey Belladonna Anthrax Anfang 2007 – und zwar zum zweiten Mal nach 1992. Wunschkandidat John Bush lehnte eine Rückkehr ab. Nach langer Suche wurde am Jahresende Dan Wilson als neuer Sänger präsentiert. Flugs ging‘s ins Studio, und so sollte WORSHIP MUSIC im Mai 2009 in den Läden stehen. Doch der Release-Termin wurde immer wieder nach hinten verschoben. Letztendlich hieß es: Wilson raus, John Bush rein, aber der wollte die schon aufgenommenen Songs nicht neu einsingen. „Es fühlte sich für mich komisch an, da ich nicht Teil des kreativen Prozesses war“, erklärte der Sänger im vergangenen Jahr in einem Interview. „Bei jedem anderen Anthrax-Album, auf dem ich gesungen habe, war ich von Anfang an involviert. Es fühlt sich einfach nicht richtig an.“

Im Mai 2010 kehrte schließlich Belladonna zurück – und die Arbeiten an WORSHIP MUSIC nahmen wieder Fahrt auf. „Nach meinem Einstieg ist innerhalb der Band verdammt viel passiert“, erzählt der Sänger. „Alle waren wieder voller Tatendrang und wollten endlich wieder loslegen, nachdem das Album so lange brach lag.“
„Als Joey zurückkam und wir wussten, dass er auch bleiben würde, setzten wir uns alle zusammen und hörten jeden Song noch einmal gemeinsam an“, schildert Gitarrist Scott Ian. „Dabei entschieden wir, welcher Song noch einmal überarbeitet werden muss und welcher nicht.“ Dabei wurde die Hälfte des Materials anders arrangiert und ein Großteil der Texte neu geschrieben. „Ich habe etwa drei bis vier Songs komplett umgeschrieben“, erklärt Schlagzeuger Charlie Benante. „Durch die Lösung unserer Probleme und die Weiterarbeit am Album war ich so voller Energie, dass ich diese auch in die Songs mit einbringen wollte.“

Doch auch Joey hatte anfangs – ebenso wie Bush – Probleme beim Einsingen der Songs. „Es war echt schlimm für mich, dass schon jemand vor mir diese Songs gesungen hatte“, klagt der Sänger. „Es fühlte sich zuerst wie ein Eiertanz für mich an, da alle ja schon eine gewisse Vorstellung von den Songs hatten und ich diese nicht komplett verändern wollte. Das hätten die anderen sicher auch nicht ge­­­wollt.“ Durch die Erfahrungen der Vergangenheit klug geworden, entschied sich die Band dann doch dafür, die Ge­­sangslinien an Joeys Stimme anzupassen.

„Joey ist ein unglaublicher Musiker. Es gibt heute fast keinen Sänger, der sich in Sachen Volumen und Variabilität mit ihm messen kann“, schwärmt Scott Ian. „Das wollten wir natürlich auskosten und gaben ihm mehr Freiheit. Wir haben ihn mit unserem Produzenten allein gelassen und einfach machen lassen. Es hat ihm keiner ständig gesagt, was er machen soll – so wie es früher meistens der Fall war.“ Auch Charlie Benannte ist begeistert von der Rückkehr Belladonnas: „Als Joey den ersten Song einsang und wir ihn zusammen anhörten, bekam ich eine richtige Gänsehaut. Ich glaube, Joey war noch nie besser. Endlich klingen wir wieder nach Anthrax!“
Bei all den Problemen stellt sich die Frage, ob es nicht einfacher gewesen wäre, die Songs zu verwerfen und ein komplett neues Album zu schreiben. „Daran haben wir nie gedacht“, sagt Scott Ian sofort. „Diese Songs haben uns in den schweren Zeiten zusammengehalten. Sie trieben uns all die Jahre an, weiterzumachen und nicht zu resignieren. Und am Ende wurden sie schließlich noch besser als vorher.“

„Ich weiß, wir haben verdammt lange an diesem Al­­bum gearbeitet“, fügt Charlie hinzu. „Doch da es diese Lieder schon so lange gab, konnten wir sie intensiv auf uns wirken lassen, um sie immer weiter zu verbessern.“
Wie werden nun die Fans nach der langen Wartezeit auf die neue Platte reagieren? „Sie werden begeistert sein“, gibt sich Benante optimistisch. „Wir lieben die neuen Songs und haben bisher meist positive Resonanz zum Album bekommen. Fans jeder Band-Epoche werden zufrieden sein. WORSHIP MUSIC vereint das Beste aus 30 Jahren Bandgeschichte. Es ist voll und ganz Anthrax!“

TEILEN
Vorheriger ArtikelSeven
Nächster ArtikelSubsignal