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Hunger macht glücklich

Sprachrohr, Gitarrist und Keyboarder Søren V. Christensen beschreibt es so: „Wir kennen uns nicht nur alle vier, seit wir in einem Kaff zusammen aufwuchsen, wir haben auch so ziemlich denselben Musikschmack. Dieser ist aber auch bei uns allen extrem breit gefächert. So waren unsere ersten beiden Alben eher Garage-Rock oder von der Mod-Szene beeinflusst, dann ging es mehr Richtung 70s. Unsere letzte Platte war dann sehr produziert, sehr elektronisch ausgerichtet, und jetzt wollten wir wieder zu einem mehr live-orientierten Sound zurück.“

Außerdem wollte man mit dem Titel ein Statement abgeben. „Ich sah eines Abends diese Dokumentation zum Thema Religion und wie fucked up sie ist. Das machte mich so wütend, dass ich sofort in den Keller ging und zu schreiben begann. Am Anfang war das alles sehr antireligiös, doch mit der Zeit wurde dann etwas anderes daraus. Viele Menschen suchen ihr Heil im Glauben, doch wir fragten uns letztlich, was man selbst verändern kann, um sein Leben zu verbessern. Und so kam es zum Albumtitel WOULD YOU CHANGE YOUR LIFE?… Das Schöne daran: Wenn ich mir diese Frage selber stelle, muss ich sagen, dass ich eigentlich ziemlich glücklich bin!“

Glücklich darüber, dass seine Band auch über die dänischen Landesgrenzen zunehmend bekannter wird, darüber, dass ihre Musik in diversen US-Fernsehproduktionen verwendet wurde („eine der wenigen Möglichkeiten, die man heute als Musiker noch hat, um überleben und weitermachen zu können – das sind nicht mehr die 90er, wo man in seiner Limousine saß und Heroin nahm“), vor allem aber darüber, dass man sich nie festlegen ließ. „Man kann nur frisch bleiben, wenn man sich immer wieder verändert. Viele Bands haben sich da in eine Ecke gemalt. Wir lieben die Hives, aber sie haben eben ihren charakteristischen Sound, aus dem sie nicht mehr ausbrechen können. Oder AC/DC. Klar, Millionen Menschen wollen, dass sie exakt so sind und bleiben. Aber muss es nicht unglaublich langweilig sein, AC/DC zu sein?“ Gut möglich…The Blue Van packen sicher mehr Abwechslung auf ihr neuestes Werk als AC/DC in den letzten 30 Jahren demonstriert haben. Mal rumpeln sie ungehobelt wie Jon Spencer Blues Explosion, mal gibt es geschliffenen Pop à la Killers, dann schwelgen sie wieder in 60s-Hippie-Klängen. Auf jeden Fall aber bleiben sie immer spannend und energiegeladen. Eine Dynamik, die dem kreativen Drang ebenso entspringt wie der Notwendigkeit. „Man muss einfach immer hungrig bleiben, sonst wird es irgendwann langweilig. Ich muss jedes Wochenende auftreten, um meine Miete zahlen zu können – und das liebe ich.“

Text: Matthias Jost