Fozzy 2010Im richtigen Leben gibt Chris Jericho den harten Mann, doch in der Musik hat er kürzlich das Weiche für sich entdeckt.

Wenn Chris Jericho richtig viel Gefühl zeigt, dann war das bislang eine eher unerfreuliche Erfahrung. Zumindest für seine Sparringspartner. Doch fortan darf auch mal gemenschelt werden. Jericho, einst Weltmeister im Schwergewichts-Wrestling und seit gut zehn Jahren Sänger der Band Fozzy, kann in dieser Hinsicht jedenfalls Vollzug melden: „Auf unserem neuen Album wird es erstmals eine Ballade geben.“

Der Mann wird Ende dieses Jahres 40, eigentlich ein eher früher Start in die beginnende Altersmilde, doch allzu Gefühliges sollte man von CHASING THE GRAIL, dem vierten Album der texanischen Metaller, dann doch nicht erwarten.

Jericho und seine Kollegen Rich Ward (Gitarre), Sean Delson (Bass) und Frank Fontsere (Schlagzeug) sind noch immer harte Brocken, ihrem schlichten Haudrauf-Image sagen sie jetzt allerdings den Kampf an.

Nicht nur mit ›Broken Soul‹, laut Jericho eine „Southern Rock-Ballade im Stil der siebziger Jahre“, sondern auch mit ›Wormwood‹, knapp 14 Minuten lang und „vom Prog Rock inspiriert“. Weshalb der Kirchenchor der Episkopal-Ge­meinde von Charleston/South Carolina zum Einsatz kam. Und dann ist da noch ›Revival‹, laut Gitarrist Ward „vom Wunsch inspiriert, ein spiri­tuelleres Leben zu führen“. Bei zwei weiteren Songs durfte noch der Annihilator-Gitarrist Jeff Wa­ters solieren. Ward: „Das war Chris’ Idee, denn er ist mit Jeff eng befreundet“.

Und wer da meint, dass Wrest­ler konzeptbedingte Simpel sind, deren Fremdwortschatz sich auf „Hämatom“ und „Fraktur“ beschränkt, wird auch noch eines Besseren be­lehrt, denn Jericho benutzt ganz selbstverständlich ein dann doch recht seltenes Fachwort. Und was für eines: ›Paraskavedekatriaphobia (Friday The 13th)‹ lautet der zungenbrecherische Titel eines der zwölf neuen Stücke. Das könnte zwar auch Elbisch sein, ist aber tatsächlich der korrekte Fachbegriff für die Angst vor dem Freitag, den 13. Was es nicht alles gibt. Wieder was gelernt.

Uwe Schleifenbaum