While Heaven Wept photo sessionÜberstürzter Therapie-Abbruch: Tom Phillips, dem Chefdenker der amerikanischen Doomer While Heaven Wept, geht gerade alles ein bisschen zu schnell.

Abstinent lebt Robbo weiß Gott nicht: Schon eine halbe Ewigkeiten rührte die Band aus Virginia ihren sehr speziellen Sound aus traditionellem Doom, Epic und Power Me-tal weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit zusammen, jetzt steht sie auf einmal im Rampenlicht: Mit FEAR OF INFINITY erscheint nur knapp anderthalb Jahre nach dem umjubelten VAST OCEANS LACH­­RYMOSE-Album schon der Nachfolger – und das auch noch bei einem renommierten Großlabel. „Es gibt uns seit 21 Jahren, und ich bin sehr zurückhaltend, jetzt vom ,endlich verdienten Erfolg‘ zu sprechen“, schränkt Tom ein. „Für uns hat sich nicht viel verändert. Wir machen immer noch die gleiche Musik, schulden dem Studio, in dem wir FEAR OF INFINITY aufgenommen haben, eine Menge Kohle… Ob sich was ändert, kann nur die Zukunft zeigen, aber ich bin da ehrlich gesagt nach allen bisherigen Erfahrungen zurückhaltend. Für mich ist jedes einzelne Album ein sehr persönliches Unterfangen – wenn ich das nur machen würde, um CDs zu verkaufen, hätte ich schon lange alles hingeschmissen!“

Dinge wie musikalischer Fortschritt, der Weg zum Erfolg, das alles interessiert Tom nicht: „Das Einzige, was für mich zählt: Unsere Alben sollen die Emotionen und Stimmungen, die hineingeflossen sind, widerspiegeln. Alles andere ist irrelevant. Die Songs des neuen Albums waren bis auf ›Finality‹ schon fertig, bevor der Vorgänger VAST OCEANS LACHRYMOSE herauskam. Sie sollten damals schon veröffentlicht werden, nur dass wir leider einen Haufen sehr epischer Nummern hatten, sodass der Platz einfach nicht reichte. Insofern kann er per Definition noch nicht mal ein Fortschritt gegenüber dem letzten Album sein! Es zeigt nur eine an-dere Facette der Band: roher, geradliniger, düsterer.”

Beide Alben, VAST OCEANS LACHRYMOSE und FEAR OF INFINITY, sind Teil „eines Prozesses, den ›Finality‹, der neueste Song, abschließt“, so Tom. „Ich verarbeitete darin persönlichen Verlust, eine gescheiterte Liebe – deswegen ist es so persönlich und so schmerzvoll, deswegen streckt sich die musikalische Katharsis über zwei Alben.“

Die Krisenbewältigung per Doom Metal ist für Tom fast schon ein Ritual: „Ehrlich gesagt steckt hinter jedem unserer Album eine verlorene Freundin – und nicht immer war der Verlust die Inspiration“, zeigt sich Tom einsichtig: „Die Musik ist für mich eine Besessenheit, sobald ich mich in so ein Projekt versenke, muss alles andere zurücktreten: mein Job, aber eben auch die Liebe. Das ist ein Fluch, aber es musste getan werden, und diesmal hat es mir richtig gutgetan.“

Das Einzige, was nicht ganz so guttat, war der Zeitdruck, der mit der Anerkennung kam: „Unsere neue Plattenfirma insistierte, dass FEAR OF INFINITY genau jetzt auf den Markt kommt, die haben einen sehr strikten Veröffentlichungsplan. Was wir wiederum gar nicht so gewohnt sind… Insofern musste alles wahnsinnig schnell gehen, und wir hatten keine Möglichkeit, als mit dem Material zu arbeiten, das ich alleine vorbereitet hatte. Normalerweise ist While Heaven Wept schon eine Band, aber auf FEAR OF INFINITY stammt alles von mir.“

Text: Gregor Arndt