Incubus 2011c @ Brantley GutierrezFünf Jahre nach LIGHT GRENADES und einer Auszeit voneinander haben sich die Kalifornier wieder zusammengerauft. Denn: Gemeinsam sind Incubus mehr als die Summe der einzelnen Teile.

„Wir waren nicht ausgebrannt“, erklärt Frontmann Brandon Boyd die lange Pause seiner Truppe. „Jedem von uns war viel­mehr klar, dass wir auf Abstand zu dem Monster gehen müssen, das wir erschaffen haben. Sonst hätte es uns aufgefressen.“ Gitarrist Mike Einziger betrachtet die Band nicht als Monster, sondern eher als Blase, die das Quintett vor dem wirklichen Leben abgeschottet hat. Und er gibt zu, dass Incubus sich in einer Sackgasse befanden: „Wir hatten all unsere Ziele erreicht: Als wir anfingen, wollten wir lediglich Platten aufnehmen und durch die Welt touren. Irgend-wann wurden wir sogar für die Grammys nominiert.” Die Rock-Ästheten hatten nichts mehr auf ihrer Liste stehen, das abzuhaken war. Sie. konnten sich nichts mehr beweisen. Es blieb nur der Urlaub vom Multi-Platinum-Act.

Einziger ging in dieser Zeit nach Harvard, wo er Musik und diverse Natur­wis­sen­schaften studierte, darunter Physik, Quan-tenmechanik sowie Human- und Evolu-tionsbiologie. Am meisten gebracht hat dem 34-Jährigen aber die theoretische Auseinandersetzung mit Tönen und Noten: „Ich habe meine gesamte Existenz darauf ausgerichtet, Musik zu machen, und musste erkennen, wie wenig ich tatsächlich darüber wusste. Aber ich habe Abhilfe geschaffen und Musikgeschichte und -theorie ge-büffelt. Man könn­te sein ganzen Leben darauf verwenden und trotzdem nicht alles wissen.”

Auch Kollege Boyd konn­te es nicht lassen, sich mit Musik zu beschäftigen: Er nutzte das Band­mora­torium für ein Soloalbum, auf dem er alle Instrumente selbst spielt. In den Vereinigten Staaten erschien das solide THE WILD TRAPEZE bereits 2010, seit Mai ist es auch hierzulande erhältlich.

Was Incubus letztendlich wieder zu-sammengeführt und ihr siebtes Studioal-bum IF NOT NOW, WHEN? hat aufnehmen lassen, war die Verbundenheit der Band­mitglieder unter­einander. Einziger um­schreibt es als „die Schwere unserer Freundschaft”. „Meine musikalische Bezie-hung zu Brandon dauert nun schon immerhin fast 20 Jahre”, so der Lockenkopf. „Klar sitzt so was tief.”

Text: Lothar Gerber