Johnny WinterJohnny Winter ist ein Blueser durch und durch. Nicht umsonst nannte er sein letztes Album schlichtweg I‘M A BLUESMAN (2004). Doch auch ein Ausnahmemusiker wie Winter hat klein angefangen und sich viel von seinen Idolen abgeschaut – zum Beispiel von B.B. King. „Als ich 17 Jahre alt war, sah ich mir zusammen mit meiner Band ein Konzert von B.B. an“, erinnert sich der ansonsten recht wortkarge Musiker lebhaft. „Ich wollte unbedingt, dass er mich spielen hört, da ich seine Musik liebte und ihm zeigen wollte, dass ich das auch kann. Also schickte ich meine Freunde zu ihm, um ihn danach zu fragen. B.B. hatte damals Steuerprobleme, und da wir die einzigen weißen Kids dort waren, dachte er erst, wir wären von der Steuerfahndung. Als er seinen Irrtum bemerkte, war er so erleichtert, dass er mich zu sich auf die Bühne holte, obwohl er nicht einmal wusste, ob ich spielen konnte.“

B.B. King war allerdings nur eines seiner vielen Idole. Einige von ihnen lässt er durch sein neues Album ROOTS wieder aufleben. Darauf interpretierte er elf Stücke seiner Helden neu, darunter Muddy Waters‘ Version von ›Got My Mojo Working‹, ›Bright Lights‹ von Jimmy Reed und Chuck Berrys ersten Hit ›Maybellene‹. Die Idee dazu hatte Gitarrist Paul Nelson, mit dem Winter schon auf I‘M A BLUESMAN zusammenarbeitete. „Das Konzept kam von Paul, und mir hat es auf Anhieb gefallen. Er hat die Platte auch pro-duziert.“ Da Johnny Winter selbst viel als Produzent unterwegs ist, fiel es ihm schwer, die Zügel aus der Hand zu geben: „Paul hat großartige Arbeit geleistet. Aber während der Endphase hätte ich manchmal ein bisschen mehr Mitspracherecht gewollt.“

Zur Unterstützung hat sich Johnny für jeden Song einen anderen Gastmusiker ins Studio geholt. Bei ›Done Some­body Wrong‹ wird er beispielsweise von Warren Haynes unterstützt. Susan Tedeschi leiht ihm bei ›Bright Lights, Big City‹ Gitarre und Stimme. Und sein Bruder Edgar Winter begleitet ihn auf ›Honky Tonk‹ mit dem Saxofon. Spricht man Winter darauf an, ob es als nächster Release wieder ein Album mit eigenen Songs ansteht, antwortet er gewohnt knapp: „Kann schon sein, dass das eines Tages passiert.“