Mötley Crüe (2)Mötley Crüe sind seit über 30 Jahren die unangefochtenen Chefs im Ring des 80s-Glam Rock. Nach neun Studioalben blicken die be-rühmt-berüchtigten Heiligen der Stadt der Engel mit ihrer bereits dritten Best-of-Platte wieder einmal auf ihr Lebenswerk zurück und bringen sich mit einer ausgiebigen Re-Release-Offensive zurück ins Rampenlicht. Nikki Sixx, Bassist und heimlicher Chef der Crüe-Meute, Radiomoderator, Band-Leader bei Sixx:A.M. und passionierter Fotograf, hat CLASSIC ROCK von weiteren Plänen berichtet und über Rockstars und La- dy Gaga philosophiert.

Wenn man einen Sampler kurz vor der Weihnachtszeit auf den Markt bringt, kommt man als Band nicht an der Frage nach der Motivation hinter dieser Veröffent-lichung herum. In den Augen von Nikki Sixx steckt aber vielmehr als reiner Geschäftssinn dahinter. „Ich liebe Greatest Hits-Alben. Sie bieten die Möglichkeit, eine CD mit allen großen Songs zu bekommen. Und ich mag sie auch, weil es ein fantastisches Gefühl ist, in einer Band zu sein, die ein Best-of herausbringen kann“, erklärt er durchaus stolz. Obendrein vergisst der legendäre Basser nicht, auf einen besonderen Kaufgrund hinzuweisen. „Wir suchen immer nach Material in unseren Archiven, das etwas Besonderes ist und von dem wir wissen, dass die Die Hard-Fans es wirklich lieben werden.“ Und so haben sie einen Mitschnitt der Crüe-Show in Toronto als Bonusmaterial zum Best-of gepackt.

Neben MÖTLEY CRÜE – THE GREATEST HITS wiederveröffentlichen die Herren Mars, Lee, Neil und Sixx erneut einen Großteil ihres Katalogs. „Je länger es eine Band gibt, um so mehr Sinn macht es, seinen Katalog neu zu veröffentlichen. So kann man seine Musik den alten Fans wieder ins Gedächtnis rufen und dem jün-geren Publikum das alte Material nahe bringen“, so Sixx. Der Backkatalog erscheint in verschiedenen Formaten von CD bis Vinyl. „Neben den vielen Fans, die nur noch downloaden, gibt es immer noch die traditionellen CD-Käufer. Aber auch eine starke Wiederbelebung des Vinyl-Marktes ist zu beobachten. Wir wollen, dass unsere Musik für jeden dieser Typen erhältlich ist.“

Außerdem berichtet Nikki Sixx, dass es von Mötley Crüe in naher Zukunft nicht nur neu Aufgewärmtes zu hören geben wird: Im kommenden Jahr soll ein neuer Longplayer entstehen. Noch sind die vier aber nicht ins Studio gegangen, denn bei der Produktion eines Albums gehen Crüe nach einem festen Schema vor. „Ich finde, dass die Aufnahmen wesentlich kürzer dauern dürfen als der Schreibprozess. Verbringt man zu viel Zeit im Studio, vergisst man nur, worum es bei den Songs wirklich geht. Ein Album sollte in einem Monat im Kasten sein“, so der Sixxtinische Plan zum perfekten Rock-Album. Derzeit befinden sie sich noch im Schreibprozess, an dem jeder von Mötley Crüe beteiligt ist, auch wenn Nikki und Mick Mars einen Großteil des Songwritings schultern werden. „Irgendwann setzt man sich dann zusammen und merkt: ‚Wow wir haben 30 Lieder, lasst sie uns mal anhören‘. Erst danach wählt man die Songs aus, die man dann im Studio aufnimmt.“ Noch weiß Sixx nicht, wann das Album erscheinen und welchen Namen es tragen wird. Er weiß aber sehr wohl, wie es sich anhören soll: „Ich wünsche mir ein aggressiv klingendes Album. Und ich liebe Songs, deren Me-lodien und Texte sich im Kopf festsetzen. Das funktioniert nur mit den richtigen Riffs. Mick und ich suchen deshalb immer nach großen und dreckigen Riffs.“

Bis es aber so weit ist und wir neues Material von Sixx und Co. zu hören bekommen, machen Mötley Crüe für einige ganz besondere Shows in Europa Halt. In Großbritannien findet im Dezember eine Mini-Tour gemeinsam mit Def Leppard und Steel Panther statt. „Das ist ein echt gutes Paket, denn die Leppard-Jungs sind tolle Kerle mit großartigen Songs. Und auch auf Steel Panther bin ich gespannt“, freut sich Sixx auf die insgesamt sechs Gigs. Nach Deutschland werden sie es aber erst schaffen, wenn sie ihr neues Album im Gepäck haben. „Es ist eben ein langer Weg von Los Angeles. Aber wir arbeiten hart daran, im nächsten Jahr nach Eu-ropa zu kommen und dort einen Haufen Konzerte zu spielen“, entschuldigt Nikki Sixx die seltenen Crüe-Gastspiele auf dem alten Kontinent.

Nun, da Mötley Crüe an einem Punkt angekommen sind, an dem sie mit Re-Releases und einer Greatest-Hits-Platte ihre eigene Bilanz ziehen, macht sich Nikki auch Gedanken zur Entwicklung der gesamten Rock-Szene. „Ich finde es echt cool, dass endlich junge Künstler die Musik weiterführen, die wir vor 30 Jahren geprägt haben. In den 90ern erschien viel langweiliges Zeug. Für eine Weile waren Rapper die einzigen Rockstars auf dem Planeten. Das war einfach nur traurig“, lobt Sixx das er-neute Aufleben von Glam und Hard Rock. Dabei lässt er es nicht aus, einige der Crüe-Nachkommen mit seiner Anerkennung zu adeln. „Ich kenne zwar nicht viele jüngere Bands, aber ich liebe die Rival Sons. Und mir gefällt die Richtung, in die Black Veil Brides gehen“, so Sixx.

Aber auch mahnende Worte findet die Rock‘n‘Roll-Stil-Ikone für die Rock-Brut, die manchmal die Musik auf Kosten von Image und Show vernachlässigt. „Bands können sich verkleiden und aufdonnern, aber sie dürfen nicht vergessen, die passende Musik zu machen“, warnt er. Ein perfektes Beispiel dafür ist für ihn Lady Gaga. „Ich mag sie. Ich wünschte, mehr verdammte Rockstars hätten so große Eier wie Lady Gaga.“

TEILEN
Vorheriger ArtikelVintage Trouble
Nächster ArtikelDowntowm Mystic