Paul RoseDie Medien bezeichnen Paul Rose oft als „Blues-Virtuosen“. Worauf der Brite jedoch mit gebremster Freude reagiert: „Das ist natürlich schmeichelhaft, aber ich sehe mich als Rockgitarristen. Als Jugendlicher entdeckte ich Leute wie Ritchie Blackmore, Johnny Winter und Jimi Hendrix. Durch diese 70er-Jahre-Rocker fand ich den Blues. Es folg- te eine kurze Metal-Phase unter dem Einfluss von Eddie Van Halen, anschließend kehrte ich zum Blues zurück“, gibt er eine kurze Zusammenfassung seiner Karriere. Virtuose bedeute nicht, dass er unermüdlich Tonleitern übe, „ich spiele jeden Tag, aber dabei geht es mir mehr um Grooves und neue Songs. Geschwindigkeit ist mir nicht mehr so wichtig, du kannst nicht viel ausdrücken, wenn du mega- schnell spielst.“

DOUBLE LIFE heißt sein neues Album, „der Titel bezieht sich darauf, dass ich vor ein paar Jahren ein verrücktes Leben führte. Ich kann froh sein, dass ich noch lebe. Schon morgens trank ich Alkohol und bekämpfte den folgenden Kater wiederum mit Alkohol. Dazu litt ich an Depressionen. Mein jetziges Leben dagegen ist sehr fruchtbar und befriedigend, es ist voller Optimismus und Hoffnung. Ich fühle mich, als hätte ich zwei Leben gehabt“, sagt der Mann aus Newcastle, der nachdrücklich versichert, er rühre keinen Tropfen Alkohol mehr an. Seine zwölfte Scheibe ist höchst abwechslungsreich, was nicht zuletzt an den verschiedenen Sänger/innen liegt, die er gefunden hat. „Mein Produzent John Wooler riet mir, Könner zu engagieren und sie ihre Lieblingssongs singen zu lassen.“ Top-Vokalisten wie Raffia Ford, Sweet Pea Atkinson (Was Not Was), Bernard Fowler (Rolling Stones) und Terry Evans (Ry Cooder) interpretieren also ihre Favoriten, was sich in ansteckender Spielfreude und einem erstaunlichen Stilspektrum niederschlägt. Paul Rose spielt eine beachtliche Zahl von Konzerten, besonders das deutsche Publikum hat ihn ins Herz geschlossen. Kann er sich vorstellen, eines Tages mit dem Touren aufzuhören? „Nein, das ist für Bluesmusiker nicht erlaubt.“