the_pineapple_thief_1_credit_rob_monkDieses so ureigene Genre hat sich über die Jahre zwar prächtig entwickelt, was Verkaufszahlen und Publikumszuspruch angeht, sah sich aber immer einiger Häme seitens des Mainstreams ausgesetzt. Was sich endlich ändert. „Bands wie Oceansize, Porcupine Tree und Anathema haben wir es zu verdanken, dass Prog heute kein Schimpfwort mehr ist“, konstatiert Bruce Soord, Frontmann und Kreativkopf von The Pine­apple Thieß.

Dabei könnte es ihm mittlerweile eigentlich egal sein, denn mit ALL THE WARS verabschiedet sich der Brite aus dem idyllischen Yeovil endgültig von überbordendem Instrumentalgegniedel und Geek-Fantasterei und findet stattdessen zu einem so vielschichtigen wie zielsicheren Sound, der auch ohne Musikprofessur genossen werden kann. Die Spezialität dieses epischen Prog‘n‘Roll besteht vor allem in wuchtigen Rocknummern, die sich in mitreißenden Crescendos zu wahren Monstern auswachsen, ohne dass je die Bombastkeule geschwungen werden muss.
„Ich liebe es, wenn ein Lied sich so aufbaut und dann explodiert. Vor allem live ist es toll, zu beobachten, wie das Publikum auf dieser Welle mit nach oben getragen wird.“ Eine Hammerplatte, oder anders gesagt: das Album, das Oceansize statt ihres enttäuschenden letzten Werks hätten machen sollen. Und noch ein „Was wäre, wenn“-Erlebnis bieten The Pineapple Thief, denn stellenweise klingt Bruce doch tatsächlich wie Billy Corgan – wenn dieser singen könnte. „Das habe ich schon mal gehört, und die frühen Pumpkins waren auch ein großer Einfluss für mich am Anfang.“

Dieser Anfang liegt nun schon 13 Jahre zurück, ALL THE WARS ist bereits das neunte Album. „Eigentlich ist es aber erst seit 2007 ein richtiges ernstes Projekt. Die ersten Jahre war es ein reines Soloprojekt, erst als ich nach vier Platten eine kleine Fan­base hatte, musste ich überhaupt eine Band für Auftritte suchen. Und seit dem Wechsel zu Kscope geht es langsam, aber stetig aufwärts.“

SOMEONE HERE IS MISSING brachte 2010 den ersten kleinen Durchbruch, „und damit haben sich viele Türen für uns geöffnet. Wir hatten einen größeren Vorschuss, unser Name war gewissen Leuten geläufig, mit denen wir nun arbeiten konnten. Und das haben wir für diese Platte so gut wie möglich ausgenutzt.“

Das Ergebnis ist grandios, doch Bruce ruht sich nie auf Lorbeeren aus. „Ich lerne immer mehr, wie man Musik schreibt, die eine Verbindung zum Publikum aufbaut. Die Leute sollen sagen, ‚hey, hast du schon von The Pineapple Thief gehört?‘. Aber meine größte Angst ist es, eines Tages aufzuwachen und keine Ideen mehr zu haben.“ Wir machen uns da vorerst keine Sorgen!