Schandmaul 2010d @ Volker Beushausen

Sie hatten eine Pause nötig: 18 Monate war es still um das Sextett aus Bayern. Nach einem jahrelangen Marathon aus Ver­öffentlichungen und Tourneen war die Luft in der Band raus und man sehnte sich nach ein bisschen Normalität. „Wir wollten einfach mal die Wochenenden zu Hause verbringen und etwas mit der Familie und Freunden unternehmen“, erklärt Schlag­zeuger Stefan Brunner die Auszeit. „Außerdem geht dir das Ganze irgendwann auf den Keks. Wir lieben es, auf Tour zu sein. Aber irgendwann willst du kein Catering und keinen Backstageraum mehr sehen, sondern deine eigene Dusche benutzen.“ „Und du möchtest deinen Geburtstag auch einmal zu Hause und nicht im Tourbus feiern“, fügt Sänger Thomas Lindner hinzu.

Die Bühnenabstinenz ermöglichte der Band aber nicht nur ein mehr oder weniger geregeltes Leben für ein paar Monate, sondern auch eine stressfreie Herangehensweise an das neue Album TRAUM­TÄNZER. „Wir haben uns lange damit zurückgehalten, einen konkreten Ver-öffentlichungstermin preiszugeben, auch wenn wir immer im Hinterkopf hatten, dass das Album Anfang 2011 erscheinen soll“, erzählt Stefan. „Erst als wir wussten, dass wir genug gute Songs zusam­men haben, um da-mit ein Album zu füllen, haben wir uns konkrekt an die Umsetzung gemacht. Das war sehr angenehm.“ „Wir haben auch sofort nach der letzten Tour mit der Arbeit an TRAUMTÄNZER begonnen“, fügt Thomas hinzu. „Eine Pause im klassischen Sinn gab es also nicht. Es war ein ständiges Arbeiten – nur die Konzerte fielen weg. Deswegen war es möglich, von Montag bis Freitag Musik zu machen und das Wochenende mit Partnern und Freunden zu verbringen.“

Diese innere Ruhe hört man dem siebten Studioalbum der Band auch an. So frisch klangen Schandmaul lange nicht, und die Songs strahlen eine positive Energie aus. „Ja, das hat viel mit den Umständen zu tun, in denen das Album entstanden ist“, erzählt Thomas. „Die Fröhlichkeit der Songs kommt daher, dass wir keinen Druck und Stress während der Aufnahmen empfanden. Außerdem läuft es privat bei uns allen gut. Wir sind gerade einfach fröhlich.“
Außerdem ist es der Band gelungen, endlich ihren Traum-Sound zu finden. „Wir haben schon bei den letzten Alben immer danach gesucht. Als dann SINNFONIE erschien – das Album mit unserem Jubiläumskonzert –, wussten wir: Das ist der Sound! So wollen wir klingen!“, schildert Thomas das Aha-Erlebnis. „Also war es unser Ziel, diese Bühnenatmosphäre ins Studio zu packen. Dazu haben wir uns auf das Wesentliche reduziert, also etwa anstatt 20 Gitarren nur eine aufgenommen. Und plötzlich war der Sound da, den wir wollten.“

Mit dem Song ›Geas Traum‹ findet sich auch eine interessante Kollaboration auf TRAUMTÄNZER wieder, da die Vorlage zum Text ein unveröffentlichtes Skript des Autors Wolfgang Hohlbein ist. „Thomas hat mir seit Jahren immer wieder gesagt, dass ich mal ein Buch von Hohlbein lesen soll“, beschreibt Stefan das Zu-­standekommen dieser Zusammenarbeit. „Also habe ich das vor zwei Jahren im Urlaub endlich gemacht – und war begeistert. Ich habe dann dem Manager eine E-Mail geschrieben und eine mp3-Datei von ›Wolfs­herz‹ angehängt, das durch das gleichnamige Buch von Hohlbein inspiriert war. Ich hätte nie gedacht, dass et-was zurückkommt.“

Doch bereits einige Wochen später traf sich die Band mit Manager und Autor – das kleine Projekt war geboren. Zu diesem Song hat die Band auch ihren ersten Videoclip gedreht, der an Heiligabend seine Premiere auf der Homepage der Band feierte. Ab März werden Schandmaul dann endlich wieder auf der Bühne stehen, worauf sie sich schon sehr freuen. „Wir scharren schon mit den Füßen“, betont Thomas lachend.

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