the strypes 2013 2 - CMS Source
Rebellion gegen schlechte Musik

Erstaunlich, wie abgeklärt die blutjungen Iren mit dem Medien-Hype umgehen, der momentan um sie tobt. „Darüber denken wir nicht nach! Für uns sind Medien Teil des Jobs“, meint Evan Walsh (17) reichlich abgeklärt. The Strypes sind jünger als die momentane Teenie-Sensation One Direction und spielen derben Rhythm‘n‘Blues, wie man ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gehört hat. Den Bandnamen wählten sie als Reminiszenz an klassische Acts, die ihren Namen ebenfalls falsch buchstabierten, wie etwa The Byrds und Led Zeppelin. „R‘n‘B hat uns auf Anhieb gefallen. Wir haben uns immer in meinem Haus getroffen, um zu jammen“, erzählt der Schlagzeuger. „Unsere Eltern sind ebenfalls musikbegeistert, wir wählten einfach das Material aus ihrer Plattensammlung aus, das uns am stärksten beeindruckte. Diese Musik springt dich an! Wenn dir Rock‘n‘Roll nicht gefällt, ist etwas falsch mit dir!“ Aber sollten Jugendliche nicht gegen ihre Eltern rebellieren? „Wir rebellieren gegen die schlechte Musik, die jungen Leuten von den Medien aufgezwungen wird, all den künstlichen Pop und Syntheziser-Müll“, antwortet Evan entwaffnend.

Besonders die englischen Pubrockbands der 70er Jahre haben es den Junioren angetan, der eloquente Trommler nennt Größen wie Dr. Feelgood, Rockpile, Eddie & The Hot Rods. Über diese fanden sie deren Vorbilder wie Stones, Kinks, Animals und Yardbirds, über die sie wiederum zu den Urhebern dieses Sounds gelangten, zu Pionieren wie Muddy Waters, Willie Dixon, Chuck Berry und Bo Biddley. Strypes-Frontmann Ross Farelly, der 2013 noch zur Schule gehen musste, verfügt über eine raue Röhre und spielt dazu eine schmissige Mundharmonika. Pete O‘Hanlon hält den Bass hoch über der Brust wie John Entwistle, Evan Walsh ergreift seine Drumsticks im „traditional grip“ der Jazzer. Dazu haben sie einen Look wie die Yardbirds, mit halblangen Frisuren, tiefschwarzen Sonnenbrillen und engen Anzügen. „Wir gucken uns unsere Vorbilder auf YouTube an“, berichtet Walsh begeistert. „In einem Metallica-T-Shirt auf die Bühne zu gehen, sieht doch einfach scheiße aus!“

Nach einigen EPs erschien vor kurzem ihr Debütalbum SNAPSHOT, das ihnen Mengen prominenter Fans einbrachte. The Strypes eröffneten für prestigeträchtige Künstler wie Paul Weller und Arctic Monkeys. Noel Gallagher und Jeff Beck pilgerten zu ihren Gigs, von denen sie inzwischen schon dreihundert Stück absolviert haben. Und Elton John nahm sie für seine Managementfirma unter Vertrag.

„Diese Promis gaben uns keine Ratschläge, stattdessen redeten wir vor allem über Musik. Für uns sind das ganz normale Menschen“, wehrt Walsh ab. „Elton John sagte später in einem TV-Interview mit Dave Grohl, dass wir mehr über Blues wüssten als er. Das hat uns umgehauen…“

Henning Richter

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