noel gallagherDa fliegt er drüber!

Einst war die ganze Welt wie besessen von seiner Band, und ja, Oasis waren seine Band. Heute bietet sich, da Noel Gallagher ohne seinen Krawall-Bruder Liam durch Europa zieht, ein anderes, früheren Verhältnissen nicht angemessenes Bild. Anstatt das Rund einer Arena auszuverkaufen, reicht die Anziehungskraft des musikalischen Kopfes von Oasis lediglich für die triste Fabrikhalle Zenith, welche noch dazu zur Hälfte mit einem schwarzen Vorhang abgehängt ist. Und selbst so können sich die Fans – viele darunter britische Gäste – noch frei bewegen.

Als Noel Gallagher die Bühne betritt, tut er das mit der selben Kühle, wie er das schon immer getan hat. Nur fehlt an seiner Seite die provokative Arroganz von Liam und daraus resultierend von Publikumsseite die einstige ekstatische Resonanz. Noel war die Musik von Oasis, und um die geht es dann auch heute Abend. Großmäulig zu sein ist nicht Noels Art, stattdessen überzeugt er durch eine perfekte Darbietung aus exakt 50 Prozent Solo- und 50 Prozent Oasis-Material, und wenn er sich dann doch mal an einen einzelnen Fan richtet, fallen die knappen Kommentare immer hu­­morvoll und „fucking“ schnippisch aus.

Diese Ein-Mann-Instanz, die für manchen Engländer Windsor’sche Autorität innehat, muss sich nicht profilieren. Vielmehr kommt es einer Gentleman-Geste gleich, dass er Megahits wie ›Champagne Supernova‹ oder auch ›Wonderwall‹, das erste von drei Zugabenstücken, in abgewandelter Fassung interpretiert, um nicht zu deutlich zu machen, dass man Oasis theoretisch nicht braucht, wenn man Noel mit seinen High Flying Birds haben kann. Diesen Beweis liefert er dann erst mit dem originalgetreuen Finale ›Don’t Look Back in Anger‹.