Plattensammler: Die Lieblingssongs von Ian Gillan

Ian Gillan LieblingsalbenMit Deep Purple beeinflusste Ian Gillan eine ganze Legion nachkommender Rockbands. Für uns hat er den Spieß umgedreht – und uns von seinen Idolen erzählt. Hier kommen fünf Lieblingslieder des im Gespräch ausgesprochen freundlichen und auch ein klein wenig nostalgischen Sängers:

Elvis Presley
Heartbreak Hotel (1956)


Der erste Rocksong, den ich je gehört habe. ›Heartbreak Hotel‹ war revolutionär, was Attitüde und Geist betrifft, und hat mich dazu inspiriert, meine erste Band zu gründen. Elvis hat mein Leben verändert. Es gab andere fantastische Sänger damals, Buddy Holly, Little Richard, Chuck Berry, die Everly Brothers. Aber Elvis hatte etwas, das anders war als alles andere. Abgesehen von seiner perfekten Technik und seinem unvergleichlichen Gefühl für Timing war etwas in seiner Stimme, das direkt ins Herz ging. Ich habe schon mit Pavarotti gearbeitet und ihn gefragt: Wer ist der beste Sänger aller Zeiten? Und er sagte: Elvis Presley. Für die ersten paar Jahre hatte er einen großen Einfluss auf meinen Gesangsstil.

The Beach Boys
Barbara Ann (1965)


Ich war vor Deep Purple in einer Surfgruppe namens Episode Six. Wir haben viel in Deutschland gearbeitet, im Storyville in Frankfurt, in Köln, im Beat-Club in Hamburg, im Blow Up in München. Ich habe immer noch Freunde aus der Zeit hier. Die Beach Boys waren damals ein Geschenk des Himmels für uns, wegen ihrer schönen Harmonien. ›Good Vibrations‹ und solche Sachen. Aber ›Barbara Ann‹ war das erste Stück, das uns wirklich hat aufhorchen lassen. Es ist ein fröhlicher Song. Es herrschte Optimismus damals, es gab wenig Zynismus in der Musik. Der Krieg war noch nicht lange vorbei, alle waren glücklich, am Leben zu sein. Die Stimmung war positiv, es war großartig. Ich erinnere mich gerne daran.

Brook Benton
Kiddio (1960)


Ich habe Brook Benton Solomon Burke vorgezogen. Vermutlich wegen dieses einen Songs: ›Kiddio‹. Er hat mich die Bedeutung von Swing gelehrt, was Ausdruck und Hingabe betrifft. Der Rock‘n‘Roll ist limitiert, wegen seiner Akkord-Struktur, wegen seiner Blues-Basis, er bedeutet eigentlich: Kids, die Spaß haben. Dieses Lied ist sophisticated, mit Orchester und einem großartigen Sänger. Ein Nr.1-Hit. Ich gründete damals für kurze Zeit eine kleine Swing-Band. Und ich liebte es, dieses Stück zu singen. Es trug dazu bei, dass ich noch andere Sänger neben Elvis hörte. Cliff Bennett etwa. Mehr Soulmusik, Tamla Motown, diese Richtung. In meinen formativen Jahren waren diese Sachen sehr wichtig für mich.

The Beatles
Love Me Do (1962)


Ich hatte so etwas noch nie erlebt, diese beiden Stimmen, die Harmonien. Dazu die fantastische, einfache Harmonika. Der Song enthält diesen Kontrast von Professionalität und roher Animalität. Er schien jede Konvention zu brechen. Die Beatles haben während ihrer Zeit in Hamburg eine wunderbare Verwandlung durchgemacht. Sie wurden zu harten, professionellen Musikern. Fünf Shows pro Nacht, acht Shows pro Nacht, bang bang bang. Ich kenne viele englische Gruppen, die zu der Zeit in Deutschland waren. Und alle kamen zehnmal besser heim. Gute Disziplin, harte Arbeit, geringer Lohn. Ich erinnere mich, wir bekamen vier Mark pro Tag. Ich habe mir davon an einem Würstchenstand täglich zwei Bockwürste gekauft.

Dusty Springfield
I Only Want To Be With You (1963)


Ich war mit Dusty 1965 auf meiner ersten professionellen Tour. Meine Band und ich haben die Show eröffnet. Neben uns spielten fünf weitere Combos. Dusty war die Hauptattraktion. Jeder brachte seine Hits, außer uns, denn wir hatten noch keine. Dustys Stimme hatte etwas von Elvis in sich, sie war so natürlich und magisch, sehr berührend. Sie war so eine nette Person, ich habe sie wirklich geliebt. Eine weibliche Solokünstlerin hatte es damals noch schwer. Aber sie war großartig, eine Heldin. Jeden Tag kam sie früh in die Umkleide und ist den ganzen Abend geblieben. Sie erhielt jede Menge Fanpost und verbrachte Stunden damit, kleine persönliche Nachrichten zurückzusenden. Eine gute Erziehung für mich.

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