psychedelic-furs-f37c36a86dd4f3a3Der erste Europa-Auftritt seit 19 Jahren.

Irgendwann werden sie alle rückfällig. Selbst die, die nie, nie, nie wieder etwas miteinander zu tun haben wollten. Die sich auf ewig zerstritten, verkracht, Pusteln an den Arsch gewünscht und der Musikindustrie verschnupft den Rücken gekehrt haben. Alles leere Worte, denn spätestens mit Ende 40 wollen die Kinder aufs College, die Arztrechnungen werden höher, die Konten dünner und die eigene, fehlgeschlagene Solo-Karriere knabbert an der Psyche. So auch bei den Psychedelic Furs. Eine Band, an die sich heute kaum noch jemand erinnert und deren namentliche Erwähnung allenfalls im Zusammenhang mit PRETTY IN PINK (ihrem Soundtrack zum gleichnamigen John Hughes-Film) für ein „Aha“-Erlebnis sorgt.

Dabei waren Richard Butler und Co. (bevor sie sich 1993 getrennt haben) mal eine ganz große Nummer der britischen Musikszene. Als Post-Punk-Pioniere der späten Siebziger, die via New Wave zum Pop umsattelten, dabei sowohl Bowie wie Billy Idol, aber auch die Killers, Strokes und viele andere prägten und sieben Alben vorlegten, von denen mindestens fünf schlichtweg genial sind. Doch weil es nach dem Split weder mit neuen Bands noch mit Alleingängen klappte, schloss man sich 2001 wieder zusammen, um zunächst eine Dekade lang amerikanische Clubs und Achtziger-Gedenk­veranstaltungen zu beackern. Aber neues Material? Fehlanzeige!

Insofern ist ihr erstes europäisches Gastspiel seit 18 Jahren denn auch eine reine Nostalgie-Nummer. Wenngleich eine unnachahmliche. Denn es gibt keine nervige Vorgruppe, keine aktuellen Stücke, die niemand hören will, sondern einfach nur einen Klassiker nach dem anderen. Und das 90 Minuten lang, ohne Ausfälle und mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten. Zunächst einmal das 1981er-Meisterwerk TALK TALK TALK in kompletter Länge (inklusive ›Dumb Waiters‹, ›Into You Like A Train‹ und natürlich ›Pretty In Pink‹), dann – nach 15 Minuten Pause – noch die „Greatest Hits“ von ›Sister Europe‹ über ›Love My Way‹ bis ›Heaven‹, ›President Gas‹ und ›India‹.

Eine charmante Zeitreise, die nicht nur durch einen klaren Sound und eine malerische Lichtshow besticht, sondern vor allem durch eine Band, die sichtlich Spaß an der Performance hat, den direkten Draht zum Publikum sucht, das genau so alt ist wie sie, und die sich zudem extrem gut gehalten hat. Richard Butler trägt zwar mittlerweile dicke Glasbausteine im Kassengestell, hat aber immer noch rotes Wuschelhaar, tänzelt lasziv über die Bühne und macht mit kehliger Reibeisenstimme selbst Lemmy Konkurrenz. Bruder Tim verkörpert dagegen den unnahbaren Velvet Underground-Rocker mit schwarzer Sonnenbrille, Saxofonist Mars Williams könnte auch bei den Scorps mitposen – und das junge Gemüse an Gitarre, Drums und Keyboards hält sich dezent im Hintergrund. Motto: Der heutige Abend gehört den alten Wilden – und die lassen bei ihrem „Coming Home“ wirklich keine Wünsche offen. Eine Oldie-Veranstaltung der etwas anderen Art. Demnächst hoffentlich auch mal in unseren Breitengraden.