public imageBekenntnisse eines diabolischen Hochstaplers.

John Lydon gehört zu den wichtigsten Selbstdarstellern in der Geschichte der Rockmusik, seine charismatische Persönlichkeit kann es durchaus mit Schwergewichten wie Elvis Presley oder Michael Jackson aufnehmen. Sein Leben ist voll mit Ereignissen, die er kürzlich in seiner Biographie „Anger Is An Enemy“ aufgezeichnet hat. In diesem vielleicht wichtigsten Musik-Buch des Jahres gibt er tiefe Einblicke in ein Leben innerhalb der Popkultur. Warum Malcolm McLaren ein feiger Hund und Sid Vicious sein Freund war, dem er nicht helfen konnte. Wie die Drogen die Frühphase von PiL durcheinander wirbelten und wie ein Gefängnis-Aufenthalt die kreative Schubkraft für das Meisterwerk THE FLOWERS OF ROMANCE freisetzte. Hier reiht sich Ereignis an Ereignis. Besonders skurril sind die Ausführungen von Lydon, als er berichtet, wie er in den frühen 1980er Jahren in New York über Filme von Werner Herzog und Rainer Werner Fassbinder gestolpert ist. Das Vivienne Westwood eine kaltherzige Kaufmannsfrau ist, die sich von den Sex Pistols jedes T-Shirt auf Heller und Pfennig bezahlen ließ, nötigt Lydon noch heute den Groll ab, den er im Song ›Turkey Tits‹ verarbeitet. Dieses Album ist eine Fahrt durch 40 Jahre Pop-Geschichte. Mal zitiert sie die Pop Group mit funky Bassläufen und mal wird Roxy Music mit Can vermengt. Am besten ist John, wenn er wie in ›Know Now‹ shoutet und so tut, als sei er der neue Sänger der Sleaford Mods. Er ist der mahnende Grandseigneur der britischen Arbeiterklasse, einer Bevölkerungsgruppe, in die er hinein geboren wurde und die unser börsennotierten Warren-Buffett-Welt immer mehr vom Aussterben bedroht ist.