Queen (9)

Die „Trident Studios“ in Londons beliebtem Ausgeh-Distrikt Soho sind ein Stück Rockgeschichte: 1967von den Sheffield-Brüdern Barry und Norman eröffnet, gelten sie als die State Of The Art-Institution der Swinging Sixties: mit einem C. Bechstein-Konzertflügel, auf dem u.a. Elton Johns ›Your Song‹ oder ›Hey Jude‹ von den Beatles entstehen, dazu eine der ersten 8-SpurBandmaschinen und nicht zuletzt das revolutionäre „Trident A Range“-Mischpult, das die Sheffields als Reaktion auf die immer beliebteren Multitrack-Aufnahmen kreieren und vom dem weltweit lediglich 13 Exemplare existieren. All das führt dazu, dass selbst etablierte Studios wie „Abbey Road“ quasi über Nacht alt und antiquiert erscheinen. „Trident“ wird daher bald von der Elite der internationalen Pop- und Rock-Musik genutzt: Lou Reed, David Bowie, Genesis, Frank Zappa, Dusty Springfield, Jeff Beck, Rod Stewart und nicht zuletzt die Beatles – für ihr Spätwerk wie ihre Solo-Alben. Auch Queen nehmen hier drei Tonträger auf: QUEEN I, QUEEN II und SHEER HEART ATTACK. Also das, was gemeinhin als ihr Frühwerk gilt.Und woran Brian May – das wird beim CLASSIC ROCK-Gespräch in eben dieser Location deutlich – nicht nur positive Erinnerungen hat. Zunächst einmal ist der hünenhafte Gitarrist, dessen Frisur immer noch einem explodierenden Wischmob gleicht, aber erschrocken über die räumliche Enge unseres Treffpunkts: 17 St. Anne’s Court ist eine winzige Gasse. Und „Trident“ eine verschachtelte Puppenstube mit steilen Treppen, niedrigen Decken und keinerlei Tageslicht. „Ich war schon so lange nicht mehr hier, dass ich das komplett verdrängt habe“, verrät er. Nur: Wenn es um die Wiederveröffentlichung der ersten Queen-Alben geht, ist dies natürlich der perfekte Ort. Wobei es erst mal eine Formalie zu klären gilt:

 

Bevorzugst du ein informelles „Brian“ – oder ein förmliches „Doktor May“?

Doktor May! (lacht) Denn ich habe schließlich hart dafür gearbeitet und werde deshalb nicht darauf verzichten. Ich hatte zwar schon einige Ehrendoktortitel, doch damit fühlte ich mich nie besonders wohl. Eben weil ich mir sie nichterarbeitet hatte. Aber jetzt, nachdem ich viel Zeit in das Studium der Astrophysik investiert habe, freue ich mich natürlich über meinen Doktortitel.

 

Dabei sah es nicht nach einem akademischen Happy End aus. Schließlich hast du dein Studium 1973 abgebrochen, um das erste Queen-Album aufzunehmen…

Stimmt. Und viele weitere Queen-Alben danach. Es war eine lange Unterbrechung, quasi eine 30-jährige Pause, ehe ich mein Studium beendet habe.

 

Nicht ganz so lang ist dagegen das Intervall zwischen den Überarbeitungen eures Backkatalogs. Er ist erst Mitte des letzten Jahrzehnts von der EMI neu aufgelegt worden…

Ernsthaft? Davon weiß ich nichts – was nicht bedeutet, dass das nicht stimmt. Wir waren darin nur nicht involviert.

 

Und diesmal seid ihr es?

Allerdings. Sehr sogar. Wir sind uns der Nachfrage bewusst – und wissen, wie wichtig es ist, ihr gerecht zu werden und auch ein bisschen Arbeit reinzustecken. Denn damit zeigen wir dem neuen, jungen Publikum, dass wir selbst mal in ihrem Alter waren und erklären ihnen, worum es uns in den Anfangstagen ging. Deshalb waren wir für die Re-Issues auch in acht verschiedenen Mastering-Studios. Aber am meisten hat uns die Arbeit von Bob Ludwig beeindruckt. Wir machten uns zunächst Notizen, was uns bei welchem Songs besonders wichtig war und haben ihm diese Anmerkungen zusammen mit den Originalbändern zukommen lassen. Ich muss sagen: Was er uns da retourniert hat, klingt einfach wunderbar – es ist unglaublich frisch und lebendig. Was auch damit zusammenhängt, dass das Material ursprünglich analog aufgenommen wurde – und sich daher besser anhört als Digital-Recordings. Denn der Sound ist voller und angenehmer. Nun, vielleicht bin ich in dieser Hinsicht auch ein bisschen altmodisch. Und ich muss auch zugeben, dass ich die frühen Alben lange nicht mehr gehört habe. Doch es ist wirklich interessant, an was man sich noch erinnert – und wie viel man über die Jahre einfach vergisst.