wilson, rayGanz schön mutig.

Die Liaison des früheren Stiltskin-Sängers Ray Wilson mit den Popgöttern Genesis währte nur 24 Monate und ein kurzes, vergleichsweise erfolgloses Studioalbum (CALLING ALL STATIONS, 1997), die Nachbereitung dieser für ihn so unsagbar wichtigen Karrierephase hingegen dauert nun bereits seit 15 Jahren an. Dass Wilson immer wieder Genesis-Klassiker zum Mittelpunkt seiner munter fortgesetzten Bühnenaktivitäten macht, könnte als Blasphemie bezeichnet werden, oder als mutige Herausforderung. Denn neben seinem größten Genesis-Erfolg ›Congo‹ und den üblichen Verdächtigen wie ›That’s All‹ oder ›No Son Of Mine‹ wagte sich der Mann im April 2013 in Warschau auch an künstlerische Kreuzbrecher wie ›Carpet Crawlers‹ und ›Ripples‹, die als heilige Kühe der Bandhistorie gelten und von Genesis-Nerds eigentlich nur im Original akzeptiert werden. Aber Wilson macht seine Sache gut, wirft neben seiner einschmeichelnden Stimme auch seinen Charme und die zweifelsfrei vorhandene Eloquenz in die Waagschale und manövriert sich geschickt zwischen großen und kleinen Meisterwerken hindurch, um zum Höhepunkt des regulären Sets nicht einmal mit dem extrem risikobehafteten ›Mama‹ auf Grund zu laufen. Erstaunlich.