sheepdogs-sheepdogs-4238Voll auf den Silbersack

Das Reeperbahn Festival bedeutet vier Tage Kultur mit mehr als 300 internationalen Newcomer-Acts aus Pop, Indie, Folk, HipHop und Rock, die in zig Clubs auf und in der Nähe der legendären Hamburger Sündenstraße auftreten. In diesem Jahr ist auch CLASSIC ROCK zum ersten Mal mit einer eigenen Veranstaltung vor Ort vertreten. Das Rock Café St. Pauli wird an diesem Abend den Rahmen für diese Demonstration der Zukunft des Rock’n’Roll bieten. Die Hauptakteure sind die vier jungen und wie nach diesem Abend allen Anwesenden endgültig klar sein dürfte vielversprechenden Bands Grande Roses, Monster Truck, Birth Of Joy und The Sheepdogs.

Rote Wände mit goldenen Totenköpfen vor Hirschgeweihen, dunkler Holzboden und eine kleine Eckbühne zieren das Rock Café am Ende der Silbersackstraße. Noch bevor Grande Roses den Abend eröffnen, ist der rund 250 Leute fassende Club mit Festivalbesuchern gut gefüllt. Auch ein Kamerateam, das den gesamten Abend für den „Rockpalast“ aufzeichnet, hat seine Gerätschaften aufgebaut. Dann betritt die Band allesamt in bis zum Kinn geschlossenen, mit Grande-Roses-Logo versehenen schwarzen Einheitslederjacken die Bühne. Düster und ungehobelt klingt ihre Mischung aus Punk, Rock’n’Roll und New Wave. Wie dafür geschaffen, erinnert Göran Messelt Anderssons Mimik schwer an Iggy Pop, während er verkrampft wie Ian Curtis gestikuliert. Nach gut einer Stunde und zwei Zugaben ist dem mittlerweile vollständig gefüllten Club klar, dass man von den folgenden drei Bands viel erwarten darf. Die Kanadier Monster Truck sind an der Reihe, während es am Eingang des Rock Cafés bereits „Tür-Stopp“ heißt. Man merkt ihnen an, dass sie ihren ersten Gig in zwei Wochen spielen.

Hungrig und hoch motiviert wechseln die urigen Holzfällertypen stufenlos zwi- schen schleppendem Blues und diesellokartigem Riff Rock. Ein großer Bestand- teil der Live-Show von Monster Truck ist es, das Publikum zu grölenden Mitsingparts zu animieren. So waren sie sicherlich stark beteiligt an der steigenden Nachfrage nach Astra-Granaten und Whisky-Cola. Als nächster Programmpunkt stehen drei junge Holländer namens Birth Of Joy an. Wer diese eigentlich sind, wissen nur die wenigsten, jedoch scheinen die Mittzwanziger sowohl bei Vertretern der nationalen und internationalen Musikindustrie als auch bei der weiblichen Klientel eine große Neugierde geweckt zu haben, denn diese beiden Grup- pierungen bilden von nun an einen nicht kleinen Teil der Zuhörerschaft. Vor der noch immer verschlossenen Tür des Clubs wächst mittlerweile eine Warteschlange auf die halbe Länge der Silbersackstraße an. Mit nur drei Mitgliedern sind Birth Of Joy die besetzungsschwächste Gruppe des Abends, doch bringen Kevin Stunnenberg, Bob Hogenelst und Gertjan Gutman die größte Leistung. Angetrieben von ihrem beeindruckend versierten und dennoch in seinem Stil bodenständigen Drummer, präsentieren Sänger/Gitarrist und Organist einen musikalischen Bastard, der als „Hendrix Doom“ bezeichnet werden kann. Immer wieder verliert sich die Band dabei in ekstatischen Schluss-Jams, in denen das Duo an die Achse Morrison-Manzarek erinnert. Dazu verfügt die Ausstrahlung von Frontmann Stunnenberg über eine gehörige Portion Cobain (nur in vitaler Ausführung). Wie sollen die Headliner des Abends das noch toppen? Diese Frage stellt sich jeder der begeisterten und durchnässten Besucher. Den Sheepdogs ist das egal und so gehen sie souverän das 90-minütige Set nach dem Motto ihres Hits ›The Way It Is‹ an. Zutiefst entspannt und mit gewaltig talentierter Manpower beschließen die Sheepdogs, die Lynyrd Skynyrd des 21. Jahrhunderts, einen überwältigenden Abend, der hoffentlich schon in einem Jahr wiederholt werden kann.