REMUnwiderruflich: R.E.M. adé, Scheiden tut weh.

Kaum absehbar war der urplötzliche Split von R.E.M. im September diesen Jahres, eigenartig kommentiert von Michael Stipes rätselhaftem Statement auf der Band-Homepage. Simultan kündigten R.E.M. einen umfangreichen Rückblick auf Doppel-CD an, der erstmals frühe Aufnahmen für das Label I.R.S. mit den späteren weltweiten Erfolgen auf Warner vereint. Die 40 Songs aus immerhin 18 Alben haben die Bandmitglieder selbst ausgesucht, ebenso die drei neuen wunderbaren Stücke ›A Month Of Saturdays‹, ›We All Go Back To Where We Belong‹ und ›Hallelujah‹, die erst nach Ablauf des Vertrags mit Warner vor wenigen Monaten entstanden sind.

PART LIES PART HEART PART TRUTH PART GARBAGE 1982-2011, dessen Titel auf ein Interview-Zitat von Gitarrist Peter Buck aus dem Jahre 1988 zurückgeht, ist mehr Rückblick denn Hit-Compilation, obwohl übliche Verdächtige wie ›Everybody Hurts‹, ›Man On The Moon‹ und ›Nightswimming‹ natürlich nicht fehlen. Den Beginn machen Alternative-Pop-Frühwerke wie ›Gardening At Night‹, ›Radio Free Europe‹ und ›Begin The Begin‹, doch auffallend ist, dass R.E.M. ihre Ideale auch dann nicht über Bord warfen, als mit ›Losing My Religion‹ und ›Shiny Happy People‹ Geldsegen und weltweites Lob auf sie niederprasselten. ›What’s The Frequen-cy, Kenneth?‹ von MONSTER (1994) und ›Supernatural Superserious‹ von ACCELERATE (2008) umgibt in etwa die gleiche subversive Aura, die zuvor schon ›It’s The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine)‹ oder ›The One I Love‹ von DOCUMENT (1987) ausgezeichnet hatte.

Ein wenig melancholisch stimmt diese gelungene Sammlung natürlich schon. Warum musste ausgerechnet eine so authentische, ehrliche und intelligente Band wie R.E.M. das Zeitliche segnen?