cream freshMit Frischegarantie: das Cream-Debüt plus bislang unveröffentlichte Tracks.

Im Kanon der britischen Band gilt gemeinhin das zweite Album DISRAELI GEARS als jenes Werk, das man etwa Neuein­steigern dringend ans Herz legt, doch in Sachen historischer Relevanz ist das Debüt FRESH CREAM natürlich kaum zu übertreffen. Die zehn Stücke des Originalalbums re­­präsentieren nichts weniger als die Geburt des improvisationsfreudigen Blues-Rock-Trios an sich – denn Rory Gallaghers stilistisch ähnlich ausgerichteten Taste sowie die Jimi Hendrix Experience folgten erst etwas später.

Rockmusik, bislang vornehmlich als Dreiminuten-Stücke serviert, inkorporierte von nun an und bei Bedarf auch virtuose In­­strumental-Passagen, die zuvor dem Jazz vor­­behalten waren. Die Voraussetzung waren selbstverständlich Musiker, die dazu auch in der Lage waren, doch Gitarrist Eric Clapton, Schlagzeuger Ginger Baker und Bassist Jack Bruce gaben sich in dieser Hinsicht bekanntlich keinerlei Blöße.

FRESH CREAM, veröffentlicht im Dezember 1966, enthielt mit Blues-Nummern von Willie Dixon, Skip Ja­­mes, Muddy Waters und Robert Johnson einer­­­seits traditionelles, live-erprobtes Ma­­terial, offenbarte aber auch Jack Bruces Talent als Songwriter. Clapton hielt sich als Komponist noch vornehm zurück, dafür präsentierte Ginger Baker sein Schlagzeugsolo ›Toad‹, bei Konzerten fortan ein fester Pro­grammpunkt.

Die zehn Stücke des Originalalbums re­­präsentieren nichts weniger als die Geburt des improvisationsfreudigen Blues-Rock-Trios an sich.

Die Neuausgabe mit ihren drei CDs und einer Blu-ray-Audio-Disc bietet allerdings wesentlich mehr als nur das klanglich überarbeitete Originalwerk in Mono und Stereo. Singles, Alternativ-Mixe und BBC-Sessions, die zwischen November 1966 und Januar 1967 entstanden sind, runden das Bild ab – wobei zwei der Radio-Aufnahmen bislang unveröffentlicht waren. Frische, bis dato un­­bekannte Studio-Outtakes liefert CD Num­mer 3 sogar in ganz großem Stil: Bis auf ›You Make Me Feel‹ schlummerten die zwölf Al­­ter­nativ-Versionen bislang allesamt im Ar­­chiv. Für audiophil Veranlagte gibt‘s die US-Versionen (Mono und Stereo) auch in Hi-Resolution auf Blu-ray, als Zugabe erfreut ein 64-seitiges Hardcover-Buch mit erhellenden Texten und seltenen Fotos.

Ein Rätsel der Menschheit kann aber auch letzteres nicht lösen: Was trieb die Band einst da­­zu, als De­­bütsingle ausgerechnet die völlig un­­­­typische Vaudeville-Nummer ›Wrapping Paper‹ inklusive Klimper-Piano auszukoppeln?

8/10

Cream
FRESH CREAM
POLYDOR/UNIVERSAL