imperial state electricSein vielleicht vielseitigstes Album.

Nicke Andersson zieht das Retro-Ding kompromisslos durch. Nach­dem es mit seinen Hellacopters zu Ende gegangen war, startete er 2010 (Echtzeit) mit Imperial State Electric in der ersten Hälfte der 70er Jahre (gefühlte musikalische Entstehungszeit seiner Songs). Jetzt, sechs Alben und sechs Jahre später, erscheint ALL THROUGH THE NIGHT mit einer gewohnt knackig gehaltenen Länge von zehn Stücken. Einige davon scheinen genau um diese Zeitspanne mitgereist zu sein. Andersson hat mit seinem siebten Album also fast die Schwelle zu den 80ern erreicht. Neben einigen für ISE wenig überraschend an Kiss- und Thin-Lizzy-Riffs angelehnten Stücken wie dem Opener ›Empire Of Fire‹, ›Would You Lie‹ oder ›Remove Your Doubt‹, tauchen jetzt auch vereinzelt jüngere Klangperlen auf. So etwa der süße Titeltrack, der gegen Ende durch eine Vielzahl von übereinander wabernden Streicher-Schichten an Phil Spectors späteren, prunkvollen Studio-Arbeitsethos erinnert. Eine weitere Stelle, an der Imperial State Electric „mit der Zeit gegangen” sind, ist ›Bad Timing‹: Dessen zentrales, britisches Heavy-Metal-Riff könnte ohne jeden Zweifel von 1980 stammen. Doch genau dann, wenn man gerade glaubt, dass man ALL THROUGH THE NIGHT stilistisch eingeordnet hat, sprengen die Schweden jeden Rahmen, geben ein Country-Duett mit ihrer Kollegin Linn Segolson und starten kreischend in einen Boogie, der so auch 1964 von den Beatles hätte interpretiert worden sein können.

7/10

Imperial State Electric
ALL THROUGH THE NIGHT
Sound Pollution/Psychout Records/Rough Trade