Review: J Mascis – ELASTIC DAYS

J Mascis Elastic Days

Herbstlich, aber elektrisch: starkes Soloalbum des Dinosaur Jr.-Chefs.

Es dauert, wie auf Mascis-Platten üblich, nicht allzu lange, und der Hörer ist in der Welt des schweigsamen Nerd-Genies gelandet: ein paar eingängige Akkorde, eine süße Ge­­sangsmelodie, ein Gitarrensolo – es geht nicht besser, es ist fast immer gleich gut. Bei Dinosaur Jr. kommt noch herrlicher Krach hinzu, solo mag es Mascis dagegen herbstlicher und besinnlicher. Auf den vornehmlich akustischen Vorgängeralben fehlte die elektrische Gitarre beinahe komplett, auf ELASTIC DAYS ist sie wieder dabei, nimmt sich aber dezent zurück, denn die Stars der Platte sind eindeutig die Songs. Bei ›Web So Defense‹ zeigt Mascis sein Herz für alternative Americana und erinnert dabei an die sehnsüchtig-traurigen Scud Mountain Boys. Ein Höhepunkt des Albums ist ›Sky Is All We Had‹, bei dem Mascis mal wieder eine Indierock-Variante von Neil Young gibt. ›Give It Up‹ klingt sonnendurchflutet wie ein klarer Herbsttag in San Francisco, ›Drop Me‹ wie ein Rock-Song, dem J Mascis einfach den Krach entzogen hat, da­­mit er als Folk-Track in neuem Glanz scheint. Sowas kann der Mann: Sein Material formen, wie es ihm gefällt. Dass Mascis die Songs bis auf wenige Gaststimmen komplett alleine eingespielt hat, ge­­schieht nicht aus der Not heraus – sondern aus Lust an der Kontrolle.

8/10

J Mascis
ELASTIC DAYS
SUB POP/CARGO

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