Review: Jeff Tweedy – WARM

Jeff Tweedy Warm

Soll ich mich vor dem Leben hüten oder es genießen?

Es ist das erste richtige Soloalbum von Wilco-Hauptmann Jeff Tweedy, sofern man die akustische Zusammenstel­lung alter Wilco-Tracks auf TO­­GETH­ER AT LAST von 2017 einmal außen vor lässt. Nachdem Tweedy in den Jahren 2016 und 2017 eine Reihe von akustischen Solo-Shows gespielt hatte, beschloss er, die Songs aufzunehmen, die am direktesten das Publikum anzusprechen schienen. WARM ist dieses Album. Es wurde, wie fast alle Wilco-Werke, erneut im Wilco-Loft in Chicago aufgenommen. Tweedys Sohn Spencer sowie Wilco-Drummer Glenn Kotche und Tom Schick haben ihn im Studio begleitet. WARM ist ruhig. Tweedys großartige Stimme, die freundlich (aber gewaltig), zärtlich (aber skeptisch) und kantig (aber warm) ist, dirigiert die Songs. Er ist ein Krieger der Freundlichkeit, der Zärtlichkeit zu einer akzeptablen Rock’n’Roll-Tugend erklärt hat. Jeff ist ein großer, schräger, amerikanischer Trostpoet. Er spendet Zärtlichkeit für jeden, der ihm zuhört. Tweedy erklärte einmal, was er seinen Zuhörern versucht mitzuteilen: „Es geht dir gut. Du bist nicht allein. Ich singe für dich, aber ich höre dich auch.“ Man bekommt etwas von ihm zurück, das über seine Lieder hinausgeht. Tweedys Zärtlichkeit ist an­­spruchsvoll und knallhart und lustig. Sie geht von Stärke und guter Laune aus, kann aber auch wütend oder hart oder verärgert sein. „Ich hinterlasse eine Spur von Liedern“, singt Tweedy in ›Bombs Above‹, „from the darkest gloom/to the brightest sun“. WARM ist intim und doch riesig und fühlt sich liebevoll gemacht an, von echten Menschen, in einem ganz bestimmten Raum und nicht in einem Computer.

8/10

Jeff Tweedy
WARM
DBPM RECORDS/ADA/WARNER

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