pixies album 2016Paz und die Pixies – ein gutes Team.

Das Album-Comeback der Pixies verlief im Frühling 2014 sehr unglücklich. INDIE CINDY hatte einen dämlichen Titel und versammelte die Songs der drei eher schwachen EPs, die die Indierock-Veteranen zuvor veröffentlicht hatten. Man musste der Band jedoch zugute halten, dass sie sich überhaupt wieder an neues Material herangewagt hatte: Die Nostalgieshows liefen auch ohne neue Songs prima. Wegen des schwachen Resultats gingen viele vor zwei Jahren jedoch davon aus, die Pixies hätten ihren Biss verloren. Ein absolut positives Zeichen war dann die Verpflichtung von Bassistin Paz Lenchantin. Die quirlige Frau mit argentinischen Wurzeln war zuvor unter anderem bei A Perfect Circle und Zwan tätig, mit vermeintlichen Alpha-Frontmännern kennt sie sich also aus. Bei den Pixies spielt sie auf der ehemaligen Position von Kim Deal, was so undankbar ist, wie nach Jürgen Klopp den Job als Trainer des BVB zu übernehmen. Doch nicht nur Thomas Tuchel zeigt, dass das geht. Paz Lenchantin findet genau die richtige Mischung aus Bandtreue und Eigenwilligkeit. Auf HEAD CARRIER singt sie den Track ›All I Think About Is Now‹, eine offene Hommage an Kim Deal – inklusive dem Gitarrenriff von ›Where Is My Mind?‹ und den legendären Oooohs. Den Text schrieb Black Francis, es ist eine etwas platte aber liebenswürdige Art, sich noch einmal vor Kim Deal zu verbeugen. Ansonsten übertreiben es die Pixies nicht mit Verweisen auf ihr Altwerk. Natürlich erkennt man die klassische Laut-Leise-Dynamik, die Einflüsse aus Hardcore und Surfrock. Aber es wäre ja auch Quatsch, einen Pixies-Fan mit Änderungen überzeugen zu wollen: Der Indierock der Band hat auf HEAD CARRIER wieder Schmiss, die Songs sind kurz und sitzen, die Backing-Vocals von Paz Lenchantin sind prima. An ihren eigenen Meisterwerken kratzt die Band noch lange nicht. Aber die Richtung stimmt wieder.

6/10

Pixies
HEAD CARRIER
PIXIESMUSIC/PIAS/ROUGH TRADE