Review: Steve Kilbey – SYDNEY ROCOCO

Steve Kilbey Sydney Rococo

Bewegende Ode an die Aussie-Metropole.

Steve Kilbey mag immer noch als Insider-Tipp gelten, doch er hat es geschafft, den Ruf des „One-Hit-Won­ders“ mit The Church und ih­­rem unvergesslichen ›Under The Milky Way‹ abzuschütteln und sich gleich in mehreren Bereichen als ernstzunehmender Künstler zu etablieren – auch als Autor und Maler hat er reüssiert. Seine erste Liebe bleibt jedoch die Musik, auch bei mittlerweile über 50 (!) veröffentlichten Alben, und sein jüngstes Werk ist ein weiterer be­­merkenswerter Eintrag in seinen illustren Lebens­lauf. Kilbey versteht es wie wenige andere, sich alle Freiheiten zu nehmen und in alle möglichen Rich­tungen zu gehen, ohne dabei in selbstverliebtes Gegniedel abzugleiten oder den Hörer zu langweilen. Vor allem aber klingt er bei aller Vielfalt immer nach sich selbst. Und so gibt es auch hier diese wunderschönen, leicht entrückten, aber nie abgehobenen Kompositionen, die elegisch und komplex sind und doch leicht ins Ohr gehen, die immer ein Element der Dunkelheit transportieren, aber doch nie traurig machen. Nach einem etwas verhaltenen Start eröffnet das wohlig-warme ›Nineveh‹ einen packenden Reigen schillernder Songs über die wahre Hauptstadt Australiens in ihren weniger beleuchteten Ecken, der mit ›The Wrong One‹, ›Sydney Morocco‹ und ›Lagoon‹ noch weitere Highlights parat hält. Steve Kilbey ist da angekommen, wo jeder ernsthafte Künstler sein will: Er ist zu einem Grandseigneur mit Narrenfreiheit gereift, der seine kleine, feine Fangemeinde immer wieder mit edlen Leckerbissen zu erfreuen weiß.

8/10

Steve Kilbey
SYDNEY ROCOCO
GOLDEN ROBOT/SOULFOOD

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