sting studio collectionAcht Alben – das (fast) komplette Werk von Gordon Matthew Thomas Sumner.

Am 18. Juli 1983 spielen The Police ihre vorerst letzte gemeinsame Show. Im Shea Stadium im New Yorker Stadtteil Flushing Meadows. Mitten im Konzert kommt Sting der Gedanke: „Es fühlt sich an wie den Mount Everest zu besteigen, ich habe genug.“ Doch wie beginnt man eine Solokarriere, wenn man zuvor in einer der weltweit erfolgreichsten Bands gespielt hat und zudem mit SYNCHRONICITY das beste Album des Trios abgeliefert hat? Scheinbar ganz einfach, denn DREAM OF THE BLUE TURTLES (1985) beinhaltet das beste Songmaterial, das Sting während seiner gesamten Karriere geschrieben hat. Besser war es zuvor nicht, besser wird es nie wieder. Mit den Singles ›If You Love Some­body Set Them Free‹, dem wundervoll-melancholischen ›Russians‹, ›Love Is The Seventh Wave‹ und ›Fortess Around Your Heart‹ gelingt dem Briten eine Zusam­menstellung ohne Schwächen.

…NOTHING LIKE THE SUN (1987) kommt da qualitativ fast ran und ist in der Stimmung geprägt durch den Tod von Stings Mutter. Die meisten Songs sind introvertierter, aber nicht minder schlecht als die des Solodebüts. ›Still My Beating Heart‹, ›Englishman In New York‹ und ›Fragile‹ werden unter anderem als Singles ausgekoppelt und bescheren dem Doppelalbum nahezu ähnliche Erfolge. THE SOUL CAGES (1991) beginnt mit einem Writers Block von Sting, weshalb zwischen …NOTHING LIKE THE SUN und THE SOUL CAGES auch vier lange Jahre liegen. Der Grund: Stings Vater stirbt, wie zuvor schon seine Mutter, an Krebs. Daraus wird ein Konzeptalbum, das sich mit dessen Tod und seinen Nachwirkungen auseinandersetzt. Durchaus Stoff für gute Alben, aber leider machen die Songideen erstmals nicht so richtig mit. Zwar hat das dritte Solowerk mit ›All This Time‹, ›Mad About You‹ oder ›Why Should I Cry For You‹ durchaus seine Momente, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück, was sich auch an den deutlich zurückgehenden Verkaufszahlen bemerkbar macht.

TEN SUMMONER‘S TALES (1993) beginnt mit einem Feuerwerk der guten Laune: ›If I Ever Loose My Faith In You‹, ›Love Is Stronger Than Justice‹ und ›Fields Of Gold‹ – Sting schreibt plötzlich reinrassige Popsongs und das steht im gut. Der Erfolg gibt ihm Recht und beschert ihm Verkaufszahlen wie zu BLUE-TURTLES-Zeiten. Drei Jahre später ist wieder Tristesse angesagt – MERCURY FALLING (1996) ist enttäuschend. Nur wenige Tracks erreichen den üblichen Standard (›The Hounds Of Win­ter‹, ›I Hung My Head‹, ›Valparaiso‹), anderes wie ›Let Your Soul Be Your Pilot‹ oder ›I Was Brought To My Sen­ses‹ ist erschreckend schmalzig und uninspiriert. BRAND NEW DAY (1999) ist Stings erfolgreichstes Album in den USA und nach den eher enttäuschenden Verkaufszahlen des Vorgängers sein kommerzielles Comeback. Haupt­sächlich geschuldet der Performance der Single ›Desert Rose‹, was bis heute schleierhaft ist. In künstlerischer Hinsicht ist BRAND NEW DAY jedoch keinen Deut besser als sein Vorläufer.

Sting versucht sich in Veränderung (ein bisschen mehr Elektronik, einen Tick mehr Südame­rika, eine Nuance mehr R&B und Hip-Hop, sogar Country ist präsent), was leider gründlich misslingt. Die Songs sind überwiegend mäßig. Das ändert sich auch leider auf SACRED LOVE (2003) nicht. Ganz im Gegenteil, es ist Stings schlechtestes „Rock“-Soloalbum. Mehr muss man darüber nicht sagen. Zwischen 2006 und 2010 versucht sich Sting an anderen Projekten wie dem klassischen Album SONGS FROM THE LABYRINTH (2006), gefolgt von IF ON A WINTER‘S NIGHT… (2009) sowie SYM­PHONICITIES (2010), auf dem der Bassist zusammen mit dem Royal Philharmonic Concert Orchestra alte Solo- und Police-Songs intoniert. THE LAST SHIP (2013) ist so etwas wie der geistige Bruder von THE SOUL CAGES. Textlich geht es um Familie, das Aufwachsen in Wallsend nahe Newcastle und die Schließung der letzten Schiffs­werften in der Gegend. Ein inspiriertes, aber damit noch lange nicht gelungenes Opus, das im Folgejahr als The­ater­stück uraufgeführt wurde.

Stings Diskographie wurden in den Abbey Road Studios neu gemastert und auf 180-Gramm-Vinyl gepresst. BRAND NEW DAY und SACRED LOVE erscheinen erstmals überhaupt auf Vinyl, MERCURY FALLING kann man fortan auch zu zivilen Preisen erstehen, denn für das Original muss man schon satte 100 € hinblättern. Ein Download-Code für alle Platten ist beigelegt, das Ganze kommt zudem in einer schick-designten Box . Im November kommt mit 57TH & 9TH Stings neues Werk. Die erste Single ›I Can‘t Stop Thinking About You‹ gibt Anlass zu ein wenig Hoffnung.

DREAM OF THE BLUE TURTLES: 9/10
…NOTHING LIKE THE SUN: 8/10
THE SOUL CAGES: 6/10
TEN SUMMONER’S TALES: 7/10
MERCURY FALLING: 5/10
BRAND NEW DAY: 4/10
SACRED LOVE: 2/10
THE LAST SHIP: 3/10

Sting
THE STUDIO COLLECTION
A&M/UNIVERSAL