Review: The Beatles – THE BEATLES

The Beatles - White Album NeuauflageZum 50. Geburtstag: der Weiße Riese auf Vinyl, CD und als Super-Deluxe-Edition.

Es gab Zeiten, in denen das weiße Doppelalbum als unübertroffenes Meisterwerk der fabulösen Vier galt, als Höhepunkt ihrer Karriere. Das war vor allem in den 70ern der Fall, als die stilistische Vielfalt der 30 Tracks perfekt mit dem progressiven Zeitgeist harmonierte – während ihre Werke vor 1967 tendenziell als triviale Popmusik abgetan wurden. Heute hat sich der Blick aufs Weiße – und die längst rehabilitierten Frühwerke – zwar ein wenig verändert, unbestritten ist allerdings auch weiterhin, dass THE BEATLES ein Monument von einem Album darstellt. Trotz der Heterogenität, die es nicht immer wie das Werk einer Band wirken lässt, sondern bisweilen eher wie das Statement dreier Individuen und ihres Schlagzeugers. Ungerechtfertigtes Yoko-Bashing schenken wir uns, dass die Stimmung während der Aufnahmen nicht immer von glänzendster Laune geprägt war, dürfte bekannt sein. Auch über die regulären Tracks muss man nicht viele Worte verlieren, sie gehören zum Kanon der Popmusik des 20. Jahr­hunderts. Erhältlich ist das Werk nun als Doppel- oder Vierfach-LP, als Drei-CD-Deluxe-Version oder als Su­­per-Deluxe-Box mit Buch und sechs CDs plus Blu-ray. Als Zugaben gibt es – je nach Ausgabe – einerseits De­­mo-Aufnahmen, die in Harrisons Landhaus in Esher entstanden sind, andererseits zahlreiche Studio-Outtakes. Für Fans des „Work in Progress“ sind die CDs drei bis sechs der dicken Box wahre Fundgruben, zu­­mal einige der Fragmente, Skizzen und Stücke – etwa Harrisons ›Sour Milk Sea‹, Lennons ›Mean Mr. Mustard‹ oder McCartneys ›Let It Be‹ – gar nicht, oder erst we­­sentlich später unter dem Beatles-Banner veröffentlicht wurden. Lennons ›Nature’s Son‹ mutierte zum ›Jealous Guy‹, eine frühe Version von ›Cry Baby Cry‹ hätte gut zu Procol Harum gepasst, während ›Circles‹ in Rich­tung Pink Floyds zur Zeit von A SAUCERFUL OF SE­­CRETS schielt. Zwar kursierten immer wieder Bootlegs von bescheidener Qualität, doch hier gibt es diese Raritäten, Kuriositäten und Improvisationen in bestmöglicher Klangqualität. Richtiggehend berührend sind vor allem zwei der Unplugged-Demos: Sowohl Harrisons ›While My Guitar Gently Weeps‹, als auch Lennons ›Julia‹ sind von schlichter, zerbrechlicher Schönheit. Karaoke-Freunde können sich indes an einigen finalen Backing-Tracks versuchen… „Georgia’s always on my my my my my my my my my mind“.

10 von 10 Punkten

The Beatles
THE BEATLES
APPLE/UNIVERSAL

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