Review: The Rolling Stones – STUDIO ALBUMS VINYL COLLECTION 1971–2016

Rolling Stones Studio AlbumsEin ganz dickes Ding.

Ob das jetzt besser, schlechter oder überhaupt irgendwie anders klingt als die bisherigen Remasters respektive die Originalpressungen, muss am Ende jeder selbst entscheiden. Von zu vielen Faktoren hängt die Be­­wertung ab: Persönliche Vorlieben spielen eine Rolle, die technische Ausrüstung, das individuelle Gehör und noch einiges mehr. Zu marginal sind letztlich die klanglichen Unterschiede: Die Rolling Stones-Studioalben der Jahre 1971 bis 2016, hier erstmals komplett in einer Box gebündelt, wurden im Rahmen der Repertoirepflege überwiegend be­­reits in früheren Jahren klanglich aufgemöbelt und natürlich in unterschiedlichsten Formaten und Versionen wiederveröffentlicht.

Das Besondere sind nun vor allem zwei Dinge: Alle 15 enthaltenen Vinyl-Scheiben sind soweit wie möglich Eins-zu-eins-Replikationen der Originalauflagen. STICKY FING­ERS liegt also endlich wieder in der Variante mit Andy Warhols damaligem Reißverschluss-Design vor, EMOTIONAL RESCUE mit Wärmebildkamera­poster usw. Remastert – und das ist die zweite Be­­sonderheit – wurden die Alben auf Basis der Origi­nalbänder auf einer Neumann VMS-80-Schneide­maschine im Half-Speed-Mastering-Verfahren, sorgfältiger geht es nicht. STUDIO ALBUMS VINYL COLLECTION 1971 – 2016 ist insofern eine exzellent klingende, hochwertig verpackte Box auf höchstem Qualitätsniveau, aber so zwingend wie zuletzt die Mono-Box mit den Alben der frühen Jahre ist sie nicht. Das liegt zum einen an den wirklich nur für Feinschmecker interessanten klanglichen Minimal­unterschieden – zum anderen am Katalog selbst.

Die Stones gelten in der kanonisierten Kritikermeinung als eine Band, die aus einer brillanten Frühphase heraus nach dem zwischenzeitlichen Fehlgriff THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST zwischen 1968 und 1972 ihren Peak erreichte – und dann kontinuierlich immer belangloser wurde. Dass diese Dauerbe­hauptung zu kurz greift, beweist diese Box: Nach den Meisterwerken STICKY FINGERS und EXILE ON MAIN ST. waren die folgenden Alben zwar auf freilich hohem Niveau durchwachsen, aber ab 1978 gelang den Stones noch einmal eine bis 1983 an­­dauernde Hochphase: SOME GIRLS und TATTOO YOU gelten ohnehin als überaus gelungen, aber auch EMOTIONAL RESCUE und UNDERCOVER sind aus heutiger Sicht wesentlich besser als ihr Ruf.

All dies können nun jene, die den Stones-Katalog nicht bereits in zig Versionen zu Hause rumstehen haben, hier noch einmal nachvollziehen: dass DIRTY WORK wirklich verzichtbar ist, die Alben der 90er aber viele gute Momente hatten und A BIGGER BANG ebenfalls. Die Freude wird lediglich durch den Umstand getrübt, dass die Live-Alben ebenso wenig in die Box integriert wurden wie es auch sonst keinerlei zusätzliches Ma­­terial gibt. Die Raritäten und Off-Takes der Jahre 1971 bis heute bewahren sich die geschäftstüchtigen Stones vermutlich bis zur nächsten Box auf.

9/10

The Rolling Stones
STUDIO ALBUMS VINYL COLLECTION 1971–2016
POLYDOR/UNIVERSAL

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