Review: Walking Papers – WP2

Walking Papers WP2

Gene Simmons irrt.

Immer wenn Gene Simmons behauptet, Rock sei tot, veröffentlicht irgendwo auf der Erde eine Band ein Album, das die Lächerlichkeit dieser These unterstreicht. Mit WP2 sind das nun schon zum zweiten Mal die Walking Papers. Ganz recht, jener herrlich nonchalante, melancholische, mürrische, höchst talentierte Verbund gestandener Rocker aus Seattle, in dessen Reihen sich neben Jefferson Angell und Benjamin Anderson von The Missionary Position auch Duff McKagan (Guns N’ Roses) und Barrett Martin (Screaming Trees) pudelwohl fühlen. Keine Agenda, kein erzwungener Stil, keine Erwartungshaltung außer: den Rock zu spielen, der ganz von selbst aus ihnen herauskommt. Dass das dunkel, erdig und emotional, vor allem aber ein rarer Glücksfall ist, machten sie schon 2013 mit dem beachtenswerten Erstling WALKING PAPERS klar. In den letzten Jahren haben sie hörbar viel live gespielt, bewegen sich inzwischen noch selbstsicherer zwischen abgekämpftem Blues Rock, donnerndem, saftigem Hardrock, großen Midtempo-Ges­ten, zwischen gestern, heute und irgendwie auch ein klein wenig morgen. Rock ist eben wirklich alles andere als tot. Er erfreut sich auf WP2 bester Gesundheit, rumorender Bass­linien, kraftstrotzender Gitarrenriffs, krächzender Orgeln und des lässigen, genau richtig zwischen Kraft und gelangweilter Rockstar-Pose pendelnden Gesangs von Jefferson Angell. Und mal so ganz nebenbei: Das Songwriting auf diesem zeitlosen Zweitwerk hat schon jetzt das Zeug zum modernen Klassiker. Weshalb sich die Frage aufdrängt, ob Simmons überhaupt noch aktuelle Musik hört.

8/10

Walking Papers
WP2
LOUD & PROUD/WARNER

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