israel nashEin Triumphzug durch Americana-Klanglandschaften.

Es sind die kleinen Momente, die herausragende von guten Alben unterscheiden. Bei ›Willow‹, dem ersten Stück des neuen Albums von Israel Nash, nutzt die Band die psychedelische Stimmung zunächst ganz entspannt, dann blendet der Song langsam aus. Übrig bleibt das Mellotron, ein einsamer Wächter über die Harmonien. Überirdisch schön. Der ›Parlour Song‹ im Anschluss beginnt mit einem bedrohlichen Marsch, als zöge eine kriechende Legion giftiger Schlangen durch die Wüste. Die düstere Parade zieht vorbei, dann gibt Israel Nash den Nachtwächter – und sehr schnell spielt sich dieser Song ins Gedächtnis. Dorthin, wo sich die besten Songs von Neil Young und The Band verankert haben. Die Messlatte für ISRAEL NASH’S SILVER SEASON lag sehr hoch, der Vorgänger ISRAEL NASH’S RAIN PLANS hatte die Gemeinde verzückt. Doch die neue Platte hält nicht nur das Niveau, sondern setzt hier und da noch einen drauf. Bei ›The Fire & The Flood‹ schillern die me­­lancholischen Momente der Beach Boys durch, plötzlich singt Israel Nash sogar wie Brian Wilson. Das Stück zeigt: Ihn als reinen Neil-Young-Tri­butekünstler zu bezeichnen, greift viel zu kurz. Der Songwriter und seine grandiose Band ziehen mit größter Sorgfalt und innerer Ruhe durch die riesige Soundlandschaft der Americana. ›A Coat Of Many Colors‹ heißt einer der besten Songs, ein wunderbares Leitmotiv für das Album. Zweifelt noch jemand? Dann bitte ›LA Lately‹ hören, geschrieben, als Nash und seine Gruppe Los An­­ge­­les nach einem Gig wieder verließen. Die Slide­gitarre weint zum Abschied leise Servus, der Bus ist längst auf dem Highway, das Stück zum Er­­liegen gekommen – da weckt Israel Nash es noch einmal auf, für magische 1:30 Minuten: das bestmögliche Farewell.

Israel Nash
ISRAEL NASH’S SILVER SEASON
LOOSE/ROUGH TRADE
8/10

André Boße