Rick Parfitt: Traum erfüllt

Rick Parfitt von Status QuoBis zu seinem Tod Ende 2016 arbeitete der Gitarrist von Status Quo an seinem ersten Soloalbum OVER AND OUT. Jetzt erscheint es. Wir sprachen mit Parfitts langjährigem Weggefährten Paul Ashcroft.

Das Interview findet in einem kleinen Nebenzimmer im Hardrock Café in München statt. Ashcroft, der seit seinem 17. Lebensjahr Teil der Status-Quo-Crew war, als Tourmanager und persönlicher Assistent Parfitts arbeitete, macht gleich einmal klar, dass er es nicht ge­­wohnt sei, mit Journalisten zu sprechen. Hat man ihm aber die erste Frage gestellt, redet er los wie ein offenes Buch. Das Album seines früheren Chefs bedeutet ihm viel, nicht nur in professioneller Hinsicht, das merkt man so­­fort, wenn man ihm gegenüber sitzt.

Es sei immer Ricks Traum gewesen, eine Soloplatte zu machen, erzählt Ashcroft. Im Jahr 2014 erlitt Parfitt in Kroatien einen Herzinfarkt, der ihn dazu zwang, bei Status Quo eine Pause einzulegen. Der Drogen und Alkohol in früheren Jahren nicht abgeneigte Musiker rührte ein Jahr lang nichts von beidem an. „Als es abends ans Weggehen ging, brauchte er eine andere Beschäftigung. Also schnappte er sich seine Gitarre und versuchte sich an Riffs, spielte mit Songtiteln herum, eventuell für ein neues Quo-Werk oder wofür auch immer. Er war unglaublich kreativ und produktiv.“

Die angesammelten Ideen blieben großteils ungenutzt, bis Parfitt im Juni 2016 erneut einen Herzinfarkt hatte. Er habe sich körperlich schnell erholt, erinnert sich Ashcroft, doch hätten die Ärzte ihm davon abgeraten, sofort wieder auf Tour zu gehen. Also machte er ernst in Sachen Soloplatte. Er schrieb Stücke, für die er auch über die Jahre angesammeltes Material nutzte, und nahm sie zusammen mit seinem Produzenten Jo Webb auf. Die Arbeiten sollten eigentlich bis ungefähr Februar 2017 dauern. Am 24. Dezember 2016 starb Parfitt an einer Infektion infolge einer Schulterverletzung.

„Es gibt auf OVER AND OUT sowohl Status-Quo-Artiges als auch softere Sachen. Wenn es eine Tür zu Ricks Herz gäbe, wir würden dieses Al­­bum darin finden.“ (Paul Ashcroft)

Endgültig abgeschlossen wurden die Stücke also erst nach seinem Tod, mithilfe von Produzent Ash Howes und Gastmusikern wie etwa Muse-Bassist Chris Wolstenholme und Queen-Gitarrist Brian May, der auf dem er­­öffnenden ›Twinkletoe‹ zu hören ist, einem stampfenden Rocker, den Parfitt Ashcroft zu­­folge für seine Tochter geschrieben hat. „Als Rick gestorben ist, war Brian May einer der allerersten, die ihr Beileid bekundeten, also haben wir ihn gefragt, ob er etwas zu diesem Song beitragen wolle. Er war sofort da­­bei.“

Daneben gibt es schmalzige Balladen wie ›Whithout You‹ ebenso wie das von 50s-Rock inspirierte ›Lock Myself Away‹ oder das stark an Roy Orbison erinnernde ›When I Was Fallin‘ In Love‹. Das getragene ›Over And Out‹ wurde auf der Beerdigung des Quo-Gitarristen gespielt.

Der Albumname habe übrigens nichts da­­mit zu tun, dass Parfitt Todesahnungen gehabt hätte, so Ashcroft. „Rick hatte einen Pilotenschein und benutzte oft diese Flugzeugterminologie. So beendete er seine Mails gerne mit ‚over and out‘. Daher der Titel. Ich denke nicht, dass er irgendwie ahnte, dass er bald sterben würde.“

Davon abgesehen sehe er die Platte aber dennoch als musikalisches Testament: „Es gibt darauf sowohl Status-Quo-Artiges als auch einige softere Sachen. Wenn es eine Tür zu Ricks Herz gäbe, wir würden dieses Al­­bum darin finden.“

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