Q&A: Rick Wakeman über seine Solokarriere und Yes

Rick Wakeman InterviewDer Keyboard-Zauberer spricht über seine Solowerke und ARW-Platten, Yes, das Covern von ›Bohemian Rhapsody‹…und den Zustand seines Darms.

Text: Fraser Lewry

Rick Wakeman ist ein sehr beschäftigter Mann. Im Juli flog er nach Südamerika, um mit einem kompletten Orchester in Santiago und Buenos Aires aufzutreten. Dazu hat er gerade sein Album PIANO ODYSSEY veröffentlicht, auf dem er Songs aus seiner Solokarriere und von Yes neu bearbeitet und die Beatles, David Bowie und Queen covert. Dieser Tage er­­scheint ein Live-Album von Yes featuring ARW, das in diversen Formaten erhältlich ist. Und dann geht er auf seine eigene Tournee, bei der er Songs von seiner Soloplatte spielen wird.

Unterdessen führt er seine zweite Karriere als leicht schräger Twitter-Star fort und erfreut das Internet mit Details über seine Darmaktivität sowie Neuigkeiten von seinen Katern George und Harry. Wir unterhielten uns mit dem Maestro, während er für einen weiteren Flug die Koffer packte.

Was brachte dich dazu, ein Sequel zu PIANO PORTRAITS zu veröffentlichen?
Wenn jemand noch ein Album in dieser Art macht, funktioniert es unweigerlich nicht. Und manchmal schädigen diese Nachfolger sogar den Ruf des Originals. Das ist schwierig, aber die Erste hat mir viel Spaß gemacht und ich befasste mich dann mit einigen der Stücke, die ich noch nicht gemacht hatte, weil sie am Klavier nicht genug herausragten. Alles begann mit ›Bohemian Rhapsody‹.

Du hast dann Brian May ins Boot geholt.
Ich weiß, dass Brian nicht gerade begeistert war von einigen Cover-Versionen anderer Leute – und das ist diplomatisch formuliert! Ich fand, ich brauchte wirklich gute Streicher und einen Chor. Und das funktionierte besser, als ich es mir je vorstellen konnte. Aber ich machte mir ganz schön Sorgen, denn ich weiß, was das für Queen und Queen-Fans bedeutet. Aber Brian liebte es und sagte, Freddie hätte es grandios gefunden. Diesen Segen von ihm zu bekommen bedeutet mir sehr viel. Ich hatte die große Gitarrenpassage in einen Wiener Walzer verwandelt, und er fügte dann eine halb klassische, halb als Flamenco gespielte akustische Gitarrenpassage hinzu, was wohl der Cameo-Auftritt meiner Karriere war. Es ist fantastisch!

Wieso haben Yes featuring ARW ein Live-Album veröffentlicht?
Mit Handykameras wird heute alles gefilmt. Da ist so viel Müll auf YouTube – der Klang ist furchtbar und es sieht genauso furchtbar aus. Also fanden wir es wichtig, einfach ein Dokument zu machen von dem, was wir tun, mit wirklich gutem Sound und visuell anspruchsvoll. Das ist ein Dokument eines Teils der kurzen Geschichte von ARW.

„Ich habe kein Problem mit Steve und seiner Band. Sie tun, was auch immer Steve will, und das ist völlig in Ordnung. Aber ich sehe mir nicht an, was sie da tun, denn es interessiert mich nicht im Geringsten.“

Wie läuft es mit neuer Musik von ARW?
Langsam. Trevor [Rabin], Jon [Anderson] und ich leben 10.000 Kilometer voneinander entfernt, Trevor und Jon 1.600 Kilometer voneinander, also nehmen wir hier und da mal Stücke auf und schicken sie einander zu. Ich denke nicht, dass es heute noch eine große Nachfrage nach ganzen neuen Alben gibt, aber wenn wir ein Boxset machen könnten mit altem und neuem Material, unveröffentlichten Sachen und Interviews, auf DVD, wäre das ein guter Weg. Wenn du mal unser Alter erreichst, willst du im Wesentlichen ein Statement dazu abgeben, wie du dahin gekommen bist, wo du dich befindest.

Und wie steht’s mit dem von Steven Wilson gemixten Boxset aus Yes-Alben?
Das sind Dinge, die das Label macht, und zwar definitiv ohne Rücksprache mit irgendjemandem. Die Platten sind gut und Wilson ist ein kluger Junge, aber dann schickt dir die Plattenfirma nicht mal ein Exemplar davon. Sie sagen dir im Grunde genommen, dass du es dir kaufen sollst, wenn du es haben willst.

Du bist zum 50. Jubiläum des ersten Konzerts von Yes im Whisky A Go Go in Los Angeles mit ARW erneut dort aufgetreten.
Wir fanden, es wäre lustig, denselben Eintrittspreis zu verlangen wie damals bei unserer ersten Show: zwei Dollar, kein Vorverkauf, einfach anstellen und reinkommen. Da ist kaum Platz, aber es ist wichtig, Spaß zu haben. Es ist schön, sich mal der Organisation zu entledigen und für ein bisschen Chaos zu sorgen.

Ist es nicht seltsam, dich in einer Situation wiederzufinden, wo zwei verschiedene Versionen von Yes dasselbe Jubiläum unterschiedlich feiern?
Ich finde es lächerlich. Ich habe kein Problem mit Steve [Howe] und seiner Band. Sie tun, was auch immer Steve will, und das ist völlig in Ordnung. Aber ich sehe mir nicht an, was sie da tun, denn – und ich sage das im nettesten Sinne – es interessiert mich nicht im Geringsten. Ich finde, die ganze Situation ist einfach kompletter Wahnsinn. Und ich habe schon immer gesagt, dass ich den Namen nicht verwenden will. Ich war immer der festen Überzeugung, dass wir als ARW eine Marke er­­schaffen, die zwar Musik von Yes spielt, aber sich in Richtung Musik von ARW entwickelt.

Gibt es da vielleicht auch ein Gefühl, dass, ähnlich wie bei klassischer Musik, die Hauptsache ist, dass die Musik von Yes überhaupt live gespielt wird, und nicht von wem?
(Lange Pause) Das ist eine interessante Frage. Wenn man mal unser Alter erreicht hat, sind wir alle Tribute-Bands. Im Wesentlichen finde ich, dass wer auch immer die Band ist, die Musik auf dem höchstmöglichen Niveau ge­­spielt werden sollte, um zu vermitteln, wofür diese Musik und die Band ursprünglich standen. Ich denke, das tun wir.

Für diejenigen unter unseren Lesern, die dir nicht auf Twitter folgen: Wie geht es deinem Darm?
Fantastisch! Ich liebe grünes Gemüse und koche gerne Gemüsesuppen. Der Vorteil ist, dass sie durch dich durchrauschen wie ein Ferrari. Twitter ist urkomisch, und ganz selten schreibe ich auch mal was Ernsthaftes. Ich stelle mir gerne vor, dass man das bemerkt, weil der Rest einfach nur komplett dumm ist.

Anfang 2017 sagtest du, Donald Trump könnte ein guter Präsident sein, wenn er die richtigen Leute um sich hätte. Wie siehst du das heute?
Er teilt die Meinungen, als gäbe es kein Morgen, aber er hat Dinge erreicht, von denen niemand dachte, dass sie menschenmöglich waren. In einem Moment sagt er furchtbare Dinge über den nordkoreanischen Präsidenten, im nächsten sieht man sie Arm in Arm, und das ist et­­was, das frühere Präsidenten und Spitzenpolitiker nicht geschafft haben. Seine Methoden sind vielleicht nicht sehr orthodox, aber man muss eingestehen, dass er in mancher Hinsicht Ergebnisse vorweisen kann. Das ist urkomisch! Ich würde ihn sehr gerne treffen.

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