Ringo StarrDieser Abend macht vor allem eines klar: Ringo und die Band sind viel zu jugendlich fürs Altenteil.

Die augenzwinkernde Drohung fruchtet: „Wenn ihr den Song nicht mitsingt, dann beende ich sofort das Konzert“, droht Ringo mit spitzbübischem Grinsen und kontert die vielen „Ringo“-Rufe mit einem stoischen „Yes, that’s my name!“. Starrs ironisch-knappe Kommentare klingen, als hätte er sie sich schon zu Zeiten einverleibt, als er noch als Schlagzeuger bei Rory Storm & The Hurricanes in den frühen sechziger Jahren agierte, bevor er als Ersatz-Beatle für den unglückseligen Pete Best auserkoren wurde. Jetzt, mit 71 Jahren, die man dem jugendlich schlanken Briten mit dunklem Haarschopf und Bart nicht an­­sieht, zehrt er noch immer vom Ruhm jener Jahre.

Angegraut präsentiert sich jedoch das schon vor Beginn reichlich ergriffene Publikum, das in den komplett bestuhlten Sitzreihen der nahezu ausverkauften Halle Platz genommen hat und hofft, mit zwei vollen Stunden Beatles-Nostalgie auf seine Kosten zu kommen. Ein Kessel Buntes gewissermaßen, ordentlich durchgerührt, mit Ringo Starr als eloquentem Gast- und Stichwortgeber, der charmant von einem zum anderen Kollegen überleitet und zwischendurch immer wieder mal auch noch das eine oder andere Späßchen macht: „This is a song I used to do with another band I was in“, kalauert er gleich zweimal.

Beim ersten Mal serviert er flott ›I Wanna Be Your Man‹, eine Komposition von Lennon/McCartney, die von den Rolling Stones 1963 als zweite Single veröffentlicht wurde. Das zweite Mal ist es das ungestüme ›Boys‹: „Das sang ich einst schon bei Rory Storm“, weiß Ringo im dunklen Glitzer-Sakko zu berichten. Besser präsentiert sich Ringo Starr, wenn er tatsächlich Ringo Starr interpretiert und niemanden sonst: Majestätisch melodiös mit ›It Don’t Come Easy‹ zum Auftakt, kraftvoll verrockt in ›Back Off Boogaloo‹, humorvoll verkitscht bei ›Photograph‹ und ganz schön wehmütig bei der brandneuen Komposition „The Other Side Of Liverpool“.

Nicht ganz so stark geraten weitere Beatles-Reminiszenzen: ›Yellow Submarine‹ atmet lediglich Bierzelt-Atmosphäre, ›Act Naturally‹ gerät zum clownesken Country-Kleinod und mit dem behäbig-tapsigen ›With A Little Help From My Friends‹ zum Finale dankt er nicht den Fab Four, sondern seinen sechs Kollegen, denen auch der famose Drummer Gregg Bissonette angehört. Mit Victory-Zeichen, einem Lächeln auf den Lippen und John Lennons ›Give Peace A Chance‹ verabschieden sich die Veteranen, die fürs Altenteil tatsächlich noch viel zu jugendlich wirken.