Rival Sons: Unbändig ungebändigt!

Rival Sons Do Your WorstSeit zehn Jahren produzieren die talentierten Herren aus Long Beach in Kalifornien nun schon genialsten Rock’n’Roll zusammen – Rock’n’Roll, der die Seele berührt und gleichzeitig wie ein Blitz in den triebhaften Teil des limbischen Systems einfährt. Auf ihrer Neukreation FERAL ROOTS geht es genau um diesen wilden und unzähmbaren Teil des Menschseins.

Flug verschoben, Schlafdefizit, Interviewmarathon. Als man um 15:50 Uhr in eine schicke Suite des noch schickeren Grand Hyatt Hotels in Berlin geführt wird, haben Sänger Jay Buchanan (J) und Gitarrist Scott Holiday (S) von den Rival Sons seit wohl über 24 Stunden kein Auge zugetan und sich den Mund be­­reits fusselig geredet – in London, Paris und nun hier in Deutschland. Klar, da müssen sie natürlich durch, die Rock­stars, als letzter Termin in der langen Promo-Schleife scheut man solche Treffen jedoch trotzdem manchmal, da ein gelangweilter Musiker auch gerne mal langweilige Antworten gibt oder seine schlechte Laune nicht zügeln kann. Doch bereits bei Betreten des Zimmers merkt man, dass hier gute Stimmung herrscht. Jay sitzt entspannt auf dem Sofa, während Scott geschäftig an seinem Koffer herumwerkelt. „Es stört dich doch nicht, wenn ich nebenbei schon mal packe, oder? Ich bin Multitasking-fähig“, schmunzelt der Fuzzmaster mit dem beeindruckenden Schnurrbart und der schicken Anzugjacke in Leopardenmuster. Es stört nicht, ganz im Gegenteil: Das natürliche Gebaren der beiden lockert die Atmosphäre ungemein auf und schnell kommt ein ebenbürtiges Ge­spräch über das neue Album und den Bandwerdegang zustande, das weder Notizen noch journalistischer Zurückhaltung bedarf.

Bevor wir über jüngste Entwicklungen sprechen, würde ich gerne kurz zurückschauen: Als ihr HOLLOW BONES vor zwei Jahren herausgebracht hab, versank die Platte ein wenig in dieser langen Tournee mit Black Sabbath. Bedauert ihr das re­­trospektiv ein bisschen?
S: Hm, na ja, das Timing war etwas fragwürdig…
J: Aber bereuen tun wir nichts. Man muss das im Kontext sehen. Erst mal: Das ist eine gute Frage, weil das Album wirklich ein wenig unter den Teppich ge­­kehrt wurde. Ich will niemanden durch den Dreck ziehen, aber aus welchem Grund auch immer wollte unser Label HOLLOW BONES nicht promoten. Wir konnten nicht mal ein Video machen, so gesehen haben sie ihren Teil des Abkommens einfach nicht eingehalten. Dann kam hinzu, dass wir über ein ganzes Jahr mit Black Sabbath touren sollten, und wenn Black Sabbath dich fragt, ob du ihnen auf ihre letzte Tour folgst, dann sagst du ja!
S: Du musst dir das vorstellen, wir wurden nicht von den Managern gefragt sondern von Sharon und Ozzy: Wollt ihr mit uns auf Tour gehen? (mit verstellter Stimme) Und wir nur so: Oh ja!
J: Genau. Wir mussten trotzdem eine Platte machen, gingen ins Studio, knallten sie raus und dann ging es schon los. Wir konnten HOLLOW BONES also nicht wirklich promoten. Aber die Leh­re, in die wir bei Sabbath gehen durften, war das alles wert. Durch sie konnten wir sehen, wie es sich anfühlt, als die Arena-Band zu agieren, die wir vielleicht bald sein werden. Durch sie haben wir die Mechanik dieses Ge­­schäfts verstanden und sehr viel dazugelernt. Und nun sind wir bei Atlantic Records, die komplett hinter uns stehen und bald kommt FERAL ROOTS heraus und alles fügt sich wundervoll zusammen.

Oft drehen sich die Texte bei euch um zwischenmenschliche Beziehungen, nicht nur auf romantischer Ebene, aber FERAL ROOTS hört sich für mich punktuell so an, als wäre da jemand durch eine Trennung gegangen…
J: Na ja, es gibt immer brutale Scheidewege im Leben, aber da ist schon ein Subtext. Entfremdung kann auf ganz vielen Ebenen stattfinden, ob sozial oder politisch. In den Staaten findet gerade ein radikaler Sprung in Richtung Nationalismus statt, links spaltet sich von rechts, jeder schiebt dem anderen die Schuld in die Schuhe. Am Ende ist eine Beziehung die perfekte Metapher für all das. Eigentlich sind da ja aber nur ›Too Bad‹ und ›End Of Forever‹, die sich wirklich darum drehen, wobei das keine klassischen Liebeslieder sind. Es geht nicht darum, dass man rumjammert, weil man verletzt wurde und „oh, alles ist so schlimm, ich vermisse dich“. Deshalb würde ich nicht sagen, dass FERAL ROOTS eine romantische Platte ist.

Okay, voll daneben! Ich dachte nur, dass diese zwei Songs in Kombination mit dem etwas aggressiveren, sexy Vibe ein wenig so wirken…
S: Das ist wirklich witzig, dass du das sagst, ich habe das auch nicht so gesehen. Hast du vielleicht kürzlich eine Trennung hinter dir?

Ich? Ähm also. Na ja. Irgendwie schon, jetzt wo du so nachfragst… Oh wow, ich projiziere hier gerade komplett mich selbst in eure Platte!
S: Sekunde mal, hab keine Angst, du bist hier an einem sicheren Ort, erzähl uns alles! (lacht)
J: Warum legst du dich nicht kurz auf unser Sofa hier und verrätst uns: Was fühlst du dabei? (lacht)
S: Am Ende geht es doch genau um das, um Emotionen. Und Jay ist schon ein emotionaler Typ…

Menschliche Emotionen sind ja auch irgendwo limitiert. Man kann ja nur aus einer begrenzten Gefühls­palette auswählen…
J: Ja, und vielleicht ist das für dich eine Trennungs-Platte, nach all dem, was du durchgemacht hast…
S: Wieder mal! (lacht)

(lacht) Alle zwei Jahre, wenn ihr eine Platte rausbringt, habe ich Liebeskummer. Fuck!
J: (lacht) Na ja, aber so funktioniert so etwas nun mal.

Eigentlich ja eine schöne Sache. Dieser sexy Vibe. Liege ich da wenigstens richtig oder höre ich das jetzt auch nur raus, weil ich vor kurzem Sex hatte? (lacht)
J: Sex ist auf jeden Fall immer dabei! Ich genieße Sex durch und durch!
S: (lacht laut)

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