Rock-Mythen: Jeff Buckley – Tod im Ol‘ Man River

Jeff Buckly Tod mit 30Auch wenn so mancher es nicht wahrhaben wollte – das Ende des Mannes, der Leonard Cohens ›Hallelujah‹ unsterblich machte, war banal: Am Abend des 29. Mai 1997 ertrank der gerade erst 30-jährige US-Singer/Songwriter Jeff Buckley in Memphis beim Schwimmen im Mississippi. Ein tragischer Unglücksfall, wie sich herausstellen sollte, und ein bitterer Verlust für die Musikwelt.

Keith Foti beeilt sich. Soeben passiert ein schwerer Schlepper einen Stauwasserkanal des Mississippi. Dort, am Wolf River Harbour, lagert Foti an diesem schwülen Frühlingsabend zusammen mit einem Kumpel, um noch ein kühlendes Bad im Fluss zu nehmen. Der Freund ist wenige Mi­­nuten zuvor schon ins Wasser gegangen, Foti hat ihn beim Schwimmen be­­obachtet. Schnell schnappt er sich nun die mitgebrachte Boom-Box und die Gitarre, um sie vor der zu erwartenden Bugwelle zu schützen, die bald das Ufer erreichen wird. Als er sich an­­schließend wieder dem Fluss zuwendet, kann er den Schwimmer nicht mehr sehen.

Volle sechs Tage wird es dauern, bis der Leichnam in den Fluten gefunden wird. Erst am 4. Juni nachmittags um halb fünf entdeckt ein Passagier der vorbeifahrenden „American Queen“ den Toten an der Südspitze von Mud Island im Wasser dümpeln – genau gegenüber der berühmten Beale Street. Nachdem die Leiche geborgen ist, er­­gibt die Obduktion, dass weder Fremdverschulden im Spiel war, noch Alkohol oder sonstige Drogen im Blut des Toten nachzuweisen sind. Seine Identität wird ebenfalls festgestellt: Es handelt sich um den 30-jährigen Jeffrey Scott Buckley, Sohn des Folksängers Tim Buckley und eines der vielversprechendsten Talente der amerikanischen Musikszene.

Jeff Buckleys Geschichte begann im Herbst 1966. Am 17. November dieses Jahres kam er in Orange, einer Ge­­meinde im Großraum Los Angeles, zur Welt. Seinen leiblichen Vater Tim Buckley, zu dieser Zeit noch kaum be­­kannt, traf Jeff nur ein einziges Mal in seinem Leben, ein Jahr vor dessen Tod – am 29. Juni 1975 starb Tim an einer Überdosis Heroin. Das Talent des Vaters aber hatte der Sohn geerbt. Be­­reits mit fünf Jahren entdeckte er die Gitarre, mit zwölf entschied er, Musiker zu werden, und mit 13 bekam er eine schwarze Gibson Les Paul ge­­schenkt. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis der Junge, der nach der Highschool eine Musikschule besucht hatte, in Los Angeles von sich reden machen würde. Tatsächlich spielte er schon in seinen Teenagerjahren in di­­versen Bands, das Spektrum reichte von Jazz über Reggae bis Prog-Rock. Als Sänger aber trat Buckley da noch kaum in Erscheinung, hier und da steuerte er allenfalls mal Background-Vocals bei.

Erst als er 1991 nach New York ging, entdeckte er seine Vier-Oktaven-Stimme. Sie sollte ihn bald schon zum Star machen. Im Frühling des folgenden Jahres begann er mit einem Soloprogramm im Sin-è-Club in Greenwich Village aufzutreten. Es war die Zeit, als Buckley seine großen Gesangslehrmeister fand und sich in die Musik von Van Morrison, Billie Holiday, Nusrat Fateh Ali Khan und Robert Johnson vertiefte. Ihre Kunst traf nun auf die Einflüsse von Jeffs Lieblingsmusikern, darunter Led Zeppelin, The Smiths, Siouxie Sioux und Elton John. Zu­­nächst noch bildeten Coverversionen das Gros seines Repertoires, allmählich aber kamen immer mehr eigene Songs dazu.

Buckley wurde gehört. In kürzester Zeit war der eigenwillige Junge aus Kalifornien das Stadtgespräch im Big Apple. Spätestens im Sommer 1992 müssen dicke Limousinen vor dem Sin-é Schlange gestanden haben. Sie gehörten neugierigen Plattenmanagern, darunter Legenden wie Clive Davis, die das neue Talent in Augenschein nehmen wollten. Den Zuschlag erhielt im Oktober 1992 Columbia Records. Nach einer ersten EP, LIVE AT SIN-È, begann Buckley im Sommer 1993 mit der Arbeit an seinem Debütalbum GRACE, das ein Jahr später, am 23. August 1994, erschien. Obwohl zunächst ein Ladenhüter, wurde die Platte mit ihren fein austarierten Balladen, die Buckleys atemberaubend-intensive Performance mit geschmeidigem Jazz, Hardrock und Folk verbanden, nach und nach entdeckt.

Fortsetzung auf Seite 2…

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here